Die Baureinigung ist ein entscheidendes Bindeglied zwischen Bauphase und Nutzung. Um der neuen Struktur der Norm SIA 118/184 «Allgemeine Bedingungen für Baureingungsarbeiten» und neuen Materialien gerecht zu werden, erhält das NPK-Kapitel 682 eine umfassende Überarbeitung. Severin Gallo und Kelmend Sylmetaj aus der Begleitgruppe erläutern, warum die Revision in Verbindung mit der neuen SIA-Norm notwendig war und wie definierte Prozesse wie die Bemusterung die Effizienz auf der Baustelle steigern.
07.10.2026 | Michael Milz
Das NPK-Kapitel 682 «Baureinigung» umfasst sämtliche Reinigungsleistungen, um ein Gebäude nach den unterschiedlichen Bauphasen in einen gebrauchstauglichen und sauberen Zustand zu versetzen. Dazu gehören neben den Vorarbeiten wie Baugrobreinigung, Reinigungsmuster und Grundreinigung beispielsweise die Baureinigung nach Plan oder die Reinigung spezifischer Gebäudebestandteile wie Fassaden, Decken oder Reinräume.
Damit ist die Baureinigung an einer entscheidenden Stelle: zwischen Erstellung und Nutzung einer Baute. Entsprechend wichtig ist, dass das zugehörige NPK-Kapitel alle dafür erforderlichen Leistungen exakt und aktuell abbildet, um rechtsichere und verlässliche Ausschreibungen zu gewährleisten.
Aktuell befindet sich das NPK-Kapitel 682 in Überarbeitung und wird mit der Ausgabe 2028 als Neuauflage herausgegeben. Die Revision ist bereits weit fortgeschritten – bei Erscheinen dieser Ausgabe des CRB-Bulletins hat das Kapitel bereits die externe Vernehmlassung passiert; d.h. die Begleitgruppe unter der Leitung von Claudio Jung (vgl. «NPK 682: Begleitgruppe») diskutiert nun die Inputs aus der Vernehmlassung und arbeitet allfällige Ergänzungen und Anpassungen ein.

Auslöser für die Überarbeitung des NPK-Kapitels 682 «Baureinigung» war die Revision der Norm SIA 118/184, die seit dem 1. Februar 2026 gilt und die Version mit Publikationsjahr 1972 ersetzt. Dass es so lange gedauert hat, bis die SIA-Norm und das NPK-Kapitel überarbeitet wurden, hat verschiedene Gründe. «Es braucht dazu Fachleute, die einerseits die Arbeitsmethodik und Geschäftsabwicklung sehr gut verstehen und andererseits ausreichend Zeit investieren wollen und in normativen Strukturen zu denken geübt sind – und davon gibt es in der Gebäudereinigungsbranche gar nicht so viele», sagt Severin Gallo, der sowohl in der Kommission der Norm SIA 118/184 als auch Mitglied der Begleitgruppe zum NPK-Kapitel 682 ist. Gallo ist im Verwaltungsrat der ISS Facility Services AG. Zudem habe sich das Verständnis für ein strukturiertes Vorgehen in der Baureinigung im Gegensatz zu anderen Gewerken erst in den letzten zwanzig Jahren entwickelt.
«Wir haben in der Überarbeitung beispielsweise Punkte wie Bemusterung, Probereinigung und Abnahme geregelt – es macht keinen Sinn, 100 Glasscheiben zu reinigen, nur um bei der 99. zu merken, dass schon die erste zerkratzt war.»
Gerade das Thema Bemusterung spielt eine zunehmend wichtige Rolle. «Es kommt oft vor, dass die Bauleitung oder der Architekt lange mit der Projektverantwortlichen des Reinigungsunternehmens die Herangehensweise diskutiert und diese dann ihre Mitarbeitenden lediglich instruiert, indem sie sagt, sie sollen das ‹einfach mal reinigen›», führt Gallo weiter aus. «Dann passiert genau das, was wir vermeiden wollen: falsche Abfolge, unzureichende Qualität, Oberflächenschäden und so weiter», führt Gallo weiter aus. Die Bemusterung sei dabei eine echte Qualitätssicherung und obendrein noch effizienter. Gallo erläutert das am Beispiel der Fassadenreinigung: «Wenn die Bleche montiert sind, haben diese vielleicht Zementreste, Flugrost oder Verwitterungsspuren. Man reinigt dann vorgängig probeweise eine Fläche und vergütet diese bei Bedarf.» Man könne so verschiedene Methoden testen und dabei den Prozess genau definieren.

Kelmend Sylmetaj, der ebenfalls in der Begleitgruppe mitgearbeitet hat und Sales Manager beim Reinigungsunternehmen Rohr AG ist, ortet noch einen weiteren Grund: «Die Baureinigung fand über einen langen Zeitraum hinweg nur wenig Beachtung und war kaum von öffentlichem Interesse. Gleichzeitig war es aber erforderlich, die Anliegen der Praxis, der Bauwirtschaft und der Reinigungsbranche in Einklang zu bringen.» Seit der letzten Anpassung hätten sich allerdings die Materialien, Arbeitsweisen, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie Qualitätsstandards erheblich weiterentwickelt. Daher war eine Aktualisierung des NPK 682 und der SIA-Norm 118/184 immer dringlicher und schliesslich unumgänglich geworden.
Die Reinigung hatte noch einen anderen Stellenwert, als die erste Norm 1972 erschien – sie war gewissermassen nur Beiwerk. «Jedes Gewerk hatte seine Hilfskräfte, die nach Arbeitsvollendung Schutt und Staub entfernt haben. Am Schluss wurde noch einmal gekehrt und die Scheiben wurden gereinigt», sagt Gallo. Heute seien die Bauprogramme hierfür zu komprimiert, und kein Gewerk hätte hierfür die Ressourcen. «Neben der Weiterentwicklungen von Bauweise, Materialien und Reinigungstechniken sind die Ansprüche an Qualität, Nachhaltigkeit und eine klare Leistungsbeschreibung gestiegen», ergänzt Kelmend Sylmetaj. Die Überarbeitung solle den NPK 682 deshalb zeitgemäss, verständlicher und praxisgerechter machen.
Das trägt auch dem Stellenwert der gesamten Reinigungsbranche Rechnung. Bedingt durch technologische Fortschritte, neue Materialien und eine zunehmende Sensibilisierung für Nachhaltigkeit entwickelt sich die Branche kontinuierlich weiter. «Zugleich wird auch die fachliche Qualifikation der Mitarbeitenden immer wichtiger», sagt Kelmend Sylmetaj. Das wiederum habe einen Impact auf die Ausbildungsmöglichkeiten. So ist die grundlegende Revision des NPK 682 auch unter dem Aspekt zu sehen, dass sich die gesamte Reinigungsbranche zunehmend zu einer respektierten und professionellen Institution wandelt. So beteiligt sich der Arbeitgeberverband Gebäudedienstleistungen Allpura als Organisation der Arbeitswelt (OdA) unter anderem an der Entwicklung und Qualitätssicherung der beruflichen Ausbildung in der Reinigung.
Dass der Fachkräftebedarf in der Branche indes durch KI und Robotik bedroht sein könnte, können sich sowohl Severin Gallo als auch Kelmend Symetaj schlicht nicht vorstellen. Nach Ansicht von Sylmetaj könnten Roboter zwar gewisse Aufgaben übernehmen, etwa das Trocknen oder Nasssaugen grosser Flächen. Bei der Baureinigung seien jedoch weiterhin Fachkräfte nötig, weil viele Arbeiten von Baustelle zu Baustelle unterschiedlich sind. «Menschen können Situationen beurteilen, Probleme erkennen und auch anspruchsvolle Reinigungsarbeiten durchführen, wie zum Beispiel Gipsrückstände von Fensterrahmen entfernen.»
Das sieht auch Severin Gallo so: «Die Arbeitsumgebung ist sehr komplex», erklärt er. «Verschiedenste Verschmutzungen, Oberflächenarten und Überstellungen der Flächen – das ist für einen Roboter und seinen Algorithmus schwierig zu meistern.» Dabei sei er selbst durchaus offen für Entwicklungen in diese Richtung und habe auch schon namhafte Beträge in die Robotik investiert – auch, damit man ihm am Ende nicht vorwerfe, er würde alles Neue einfach ablehnen. «Aber selbst bei trivialen Aufgaben wie der Reinigung einer grossflächigen Parkgarage lag die Flächeneffizienz im Vergleich zur Investition immer noch etwa 20 % unter dem Break-Even, obwohl wir Dinge wie die Liftsteuerung und automatische Wasserbefüllung bereits gelöst hatten.»
Sowohl Kelmend Sylmetaj wie Severin Gallo blicken auf eine sehr intensive, gute, kollegiale und zielführende Zusammenarbeit innerhalb der Begleitgruppe zurück.