Nachhaltigkeit beginnt nicht im Detail, sondern bei den ersten Entscheidungen. Am Beispiel einer Fassade zeigt sich, wie eng Kosten, Konstruktion und Klimawirkung zusammenhängen. Berechnungselemente machen diese Zusammenhänge bereits in der Vorstudie sichtbar – und damit vergleichbar.
Michael Milz | 06.07.2026
«Wie nachhaltig ist unsere Fassade?» Diese Frage stellt sich heute schon früh und nicht erst, wenn die Details gezeichnet sind. Eine Fassade schützt das Gebäude, prägt die Architektur und kostet Geld. Sie besteht aus Material, verbraucht Energie und verursacht Treibhausgasemissionen. In der Vorstudie ist noch nicht alles bekannt. Trotzdem muss hier entschieden werden, welche Richtung sinnvoll ist. Genau hier helfen Berechnungselemente. Sie machen frühe Ideen rechenbar, und zwar nicht als endgültige Wahrheit, sondern als saubere Annäherung. Denn gute Entscheidungen brauchen nicht immer perfekte, dafür aber nachvollziehbare und vergleichbare Daten.

Ein Berechnungselement ist ein strukturierter Baustein. Es steht für ein Element aus dem elementbasierten Baukostenplan Hochbau (eBKP-H) oder für einen Teil davon, etwa eine Aussenwand, eine Innenwand oder eine äussere Wandbekleidung. Im Hintergrund können NPK-Positionen, Referenzmaterialien und Kennwerte hinterlegt sein.
Planende arbeiten zunächst mit Mengen. Eine Fassade hat beispielsweise eine Fläche in Quadratmetern. Wird nun diese Menge mit einem passenden Berechnungselement verknüpft, kann es verschiedene Fragen beantworten: Was kostet es? Wie viel Treibhausgas steckt darin? Welche Umweltbelastung entsteht?
Das Prinzip ist einfach: Menge mal Kennwert ergibt Wert. Bei Kosten sind das Franken, bei Treibhausgasen sogenannte Kilogramm CO2-Äquivalente (kg CO2eq), bei der Umweltbelastung Umweltbelastungspunkte (UBP) und bei der Primärenergie Kilowattstunden Öl-Äquivalente (kWh oil-eq) oder eine andere passende Einheit. Die Stärke liegt darin, dass all diese Werte aus derselben Projektstruktur stammen.
In einem Wohnhaus mit verschiedenen Wand- und Fassadentypen umfasst das Modell etwa Betonwände, Innenwände sowie Wandbekleidungen unter Terrain und Wandbekleidungen über Terrain. Für jeden Typ wird zunächst die Menge ermittelt, danach ein ähnliches Berechnungselement aus der Bibliothek gewählt.
Für eine äussere Wandbekleidung über Terrain kann dies je nach Variante eine verputzte Fassade mit Mineralwolle, eine Holzfassade, eine Metallfassade oder eine verputzte Lehmfassade sein. Jede Variante bringt eigene Kostenkennwerte und Nachhaltigkeitskennwerte mit. So werden aus architektonischen Ideen vergleichbare Varianten.

Mit Berechnungselementen kann ein Team mehrere Fassadenvarianten direkt gegenüberzustellen, z. B.:
Für jede Variante werden Kosten, Treibhausgasemissionen, Umweltbelastungspunkte, Primärenergie und weitere Werte berechnet. Erst dann beginnt die eigentliche Planung: vergleichen, bewerten, Wirkung erkennen. Oft zeigt sich dabei, dass nicht die Oberfläche entscheidend ist, sondern etwa die Dämmstärke. Oder dass nicht der Quadratmeterpreis das Problem ist, sondern eine kurze Lebensdauer. In anderen Fällen wird sichtbar, dass Wiederverwendung oder ein demontierbarer Aufbau mehr bewirken als ein reiner Materialwechsel.
In frühen Planungsphasen ist die Beeinflussbarkeit hoch, der Wissensstand aber gering. Später ist es umgekehrt. Berechnungselemente helfen, diese Lücke zu verkleinern. Sie geben strategischer Planung, Vorstudie und Vorprojekt mehr Substanz. Sie ersetzen keine detaillierte Ökobilanz und keine Fachplanung. Aber sie schaffen eine fundierte Grundlage für die richtigen Fragen: Welche Variante ist robust? Welche ist wirtschaftlich? Welche passt zum Klimapfad? Und welche Lösung überzeugt über ihre gesamte Lebensdauer?
Die Frage «Wie nachhaltig ist unsere Fassade?» wird mit Berechnungselementen konkret. Aus einer Absicht wird eine überprüfbare Planungsfrage. Das Potenzial liegt in der Verknüpfung von Kosten und Ökobilanz innerhalb desselben Modells. Neue Kennwerte erweitern die Betrachtung um Treibhausgase, Primärenergie, Umweltbelastungspunkte und biogenen Kohlenstoff. Gleichzeitig macht die Berücksichtigung der Lebensdauer sichtbar, ob eine Lösung langfristig trägt. So wird Nachhaltigkeit nicht am Ende kontrolliert, sondern von Anfang an gestaltet.