Ausschreibungen mittels selber erstellter Texte sind oft zu ungenau – und führen auf der Baustelle schnell zu Missverständnissen und teuren Nachträgen. Der Normpositionen-Katalog (NPK) bietet mit seiner standardisierten Sprache eine klare, verlässliche Grundlage. Gerade für kleine und junge Architekturbüros ist er damit ein äusserst wertvolles Werkzeug.
Michael Milz | 07.07.2026
Geht es um die Beschreibung von Bauleistungen, gilt der Normpositionen-Katalog NPK als das Hilfsmittel schlechthin. Dennoch verlassen sich immer noch viele, oft auch kleine Büros auf Ausschreibungen mit Eigentexten. Bei einer Flachdachabdichtung kann das beispielsweise etwa so aussehen: «Flachdachabdichtung zweilagig inkl. Dampfbremse und Dämmung». So weit, so … ungenau! Allzu oft führen solche «händischen» Leistungsbeschreibungen in der Praxis zu Diskussionen, Unsicherheit und – besonders unbeliebt – kostspieligen Nachträgen. Doch das muss nicht sein.

Gerade Architektinnen und Planer, die noch am Anfang stehen oder ein eher kleines Büro führen, machen einen Bogen um den NPK. «Viele glauben, der NPK sei nur etwas für grössere Bauprojekte und entsprechend grosse Büros», sagt Michael Nussbaumer, Fachbereichsleiter Baustandards bei CRB. «Dabei richtet sich der NPK an alle, die Bauleistungen sauber, nachvollziehbar und rechtssicher ausschreiben wollen – also nicht nur Architekten und Planerinnen, sondern auch Bauleitungen, Unternehmen und öffentliche wie private Bauherren.» (vgl. dazu auch «Mythen und Missverständnisse») Die nachfolgende Übersicht verdeutlicht, was eine Ausschreibung mit dem NPK von einer Ausschreibung mit Eigentext unterscheidet.
Das zeigt sich zum Beispiel sehr schön beim Ausschreiben von Flachdacharbeiten. Werden die Leistungen von Hand ausgeschrieben, bleiben viele Unklarheiten – bekanntlich steckt der Teufel im Detail: Von welchen Abdichtungssystemen ist die Rede? Welche Materialstärken sind gefordert, und welche Nebenleistungen werden bei diesem Projekt zusätzlich benötigt? Solche und weitere Unklarheiten ziehen Nachträge geradezu an. Wird hingegen konsequent mit dem NPK ausgeschrieben, werden Position für Position alle relevanten Eigenschaften ausgewählt statt Text auf gut Glück frei formuliert. Das Resultat ist eine Leistungsbeschreibung, die nicht nur detailliert, sondern auch eindeutig ist. So wird mit dem NPK beispielsweise auch genau festgehalten, welche Dampfbremsen und Dämmungen Teil des Flachdach-Aufbaus sind.
Ausschreibung mit NPK
Fazit: NPK-Nutzer arbeiten auf einer soliden, klaren und branchenerprobten Basis.
Ausschreibung mit Eigentext
Fazit: Nutzerinnen und Nutzer sind auf sich alleine gestellt.
Ein hilfreicher Nebeneffekt ist bei dieser Art der Leistungsbeschreibung, dass der NPK auch eine Checkliste ist: So wird nichts Wichtiges vergessen wie etwa bestimmte Vor- und Nebenarbeiten sowie Mehrleistungen. Im Fall von Flachdachabdichtungen können das beispielsweise Abschottungen sein oder auch das Verlegen auf besondere Dachformen. Gehen solche Leistungen vergessen, führt das zu Nachträgen, Mehrkosten und Streitigkeiten zwischen den Partnern auf der Baustelle.
Nachhaltigkeit und Ökologie werden beim Planen und Bauen immer wichtiger. Mit dem NPK können auch ökologische Materialien und Bauleistungen ausgeschrieben werden, sog. ecoDevis. Diese in Zusammenarbeit mit dem Verein ecobau entwickelten Positionen mit bereits vordefinierten Ausschreibungstexten und Materialempfehlungen haben zum Ziel, die Nutzerinnen und Nutzer vor Emissionen und Schadstoffen im Innenraum sowie die Umwelt und das Klima – wo immer technisch möglich – vor schädlichen Einflüssen zu schützen, und sind auf die Gebäudelabels Minergie-Eco und Standard nachhaltiges Bauen abgestimmt.
Diese Eco-Positionen werden bei Verwendung des NPK in einer der über 40 zertifizierten Bauadministrations-Softwares entsprechend angezeigt – und überdies auch die passenden Bauprodukte. Denn der NPK ist mit der Bauprodukte-Plattform PRD verknüpft. So finden Architektinnen und Planer nicht nur schnell und ohne Umwege die passenden Bauprodukte, sondern können diese auch direkt in ihre Leistungsverzeichnisse übernehmen.
Obwohl der NPK schon seit rund sechzig Jahren existiert und sich als bewährtes Hilfsmittel zur Beschreibung von Bauleistungen etabliert hat, halten sich hartnäckig verschiedene Mythen und Missverständnisse, die auch und gerade junge Architektinnen und Architekten von einer Anwendung abhalten: zu kompliziert, zu teuer und überhaupt: Braucht man da nicht eine spezielle Software?
Der NPK ist nach wie vor sehr gefragt im Markt und wird laufend den Bedürfnissen des Marktes angepasst. Jedes Kapitel wird dafür regelmässig von Expertinnen und Experten unter der Leitung von CRB überarbeitet und aktualisiert. Der NPK wird aber auch mit Blick auf die modellbasierte Ausschreibung eine wichtige Rolle spielen. CRB entwickelt dafür entsprechende Instrumente, um weiterhin exakte und verlässliche Ausschreibungen gewährleisten zu können.
Der Normpositionen-Katalog NPK umfasst rund 200 Kapitel aus dem Hoch- und Tiefbau sowie aus der Gebäudetechnik. Jedes Kapitel ist in Abschnitte, Unterabschnitte, Hauptpositionen und Unterpositionen gegliedert, die eine exakte Beschreibung der geforderten Leistungen ermöglichen.

Gleich zwei im Frühjahr 2026 veröffentlichte Podcasts haben den Normpositionen-Katalog NPK zum Thema: In einer Fokus-Episode des FYRMA Podcasts spricht Yves Reichenbach mit Michael Nussbaumer, Fachbereichsleiter Baustandards bei CRB, über die Rolle präziser Leistungsbeschreibungen im Architekturalltag. Im Zentrum steht der NPK, der Architektinnen, Planenden und Unternehmern eine gemeinsame Sprache für die Beschreibung von Leistungen bietet. Zudem war Remo Wegmann, Leiter Marketing, Verkauf und Kommunikation bei CRB, zu Besuch im «BIM Kaffi», wo er unter anderem aufzeigt, dass der NPK mehr als «nur» Ausschreibung ist und im Markt nach wie vor stark nachgefragt wird.