Den Fokus auf das legen, was wir wirklich brauchen

  

Professionelle Bauherren stehen heute vor zahlreichen Herausforderungen. Für Armin Vonwil ist es wichtig, sich zuerst damit auseinanderzusetzen, was mithilfe der Digitalisierung erreicht werden kann und sich dann gezielt weiterzubilden.
Interview: Gaby Jefferies

Armin Vonwil, dipl. Architekt ETH, Leiter Anlageobjekte Mitte im Immobilien Development der SBB AG. Seit Sommer 2020 vertritt er im CRB-Vorstand die Interessengemeinschaft privater professioneller Bauherren IPB.

Was fasziniert Sie an Ihrer aktuellen beruflichen Aufgabe?
Es ist die Vielfältigkeit meiner Tätigkeit, die mir besonders Spass macht. Die Arbeit in unserem Team von Spezialisten unterschiedlicher Herkunft, der Kontakt mit vielen spannenden Menschen – intern wie extern – mit dem Ziel, gemeinsam Projekte umzusetzen. Wir arbeiten an herausragenden Projekten mit hoher Komplexität – kein Tag ist mit dem anderen vergleichbar – also kurz, es ist immer etwas los und es gibt etwas dazuzulernen.

Welches Projekt würden Sie als Ihr spannendstes bezeichnen?
Eine Auswahl zu treffen, ist fast nicht möglich. Alle unsere Projekte stehen in verschiedenen Phasen vor grossen und spannenden Herausforderungen, und als Bauherr der SBB steht man immer auch im politischen Fokus, was ebenfalls anspruchsvolle Tätigkeiten mit sich bringt. Oft ist eher der Prozess, wie man eine Aufgabe löst, das Besondere und nicht das Projekt an sich. Unsere Tätigkeit reicht von der Organisation der Zwischennutzungen auf unseren Arealen über die Mitwirkung in Jurys und die Vermietung der Objekte bis hin zur Betreuung grosser Baustellen, die meist auf sehr engen Platzverhältnissen an schwierigen Lagen organisiert werden müssen.

Vor welchen Herausforderungen stehen professionelle Bauherren heute?
Die zunehmenden Regulierungen in unseren Bauaufgaben betrachten wir mit Sorge, weiter stellen wir fest, dass die Bauaufgaben komplexer werden. Als professionelle Bauherren stehen wir in der Verpflichtung, in den Dimensionen gesellschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit zu denken. Weniger Sorgen machen wir uns in Bezug auf die momentanen Auswirkungen der Corona- Krise. Der Immobilienmarkt ist wohl zu stabil, um langfristig darunter zu leiden. Das Thema des energie- und rohstoffeffizienten Bauens dürfen wir aber aufgrund der aktuellen Situation keinesfalls aus den Augen verlieren.

Die fortschreitende Digitalisierung hat für Sie als Bauherr sicherlich grosse Auswirkungen. Wie können Sie dieser dynamischen Entwicklung begegnen?
Tatsächlich wandelt sich unsere Berufswelt momentan sehr stark. Wir müssen fit bleiben, uns stetig weiterbilden und den gegenseitigen Austausch pflegen. Noch wesentlicher ist, dass wir uns zuerst ein Bild davon machen, was wir am Ende wirklich brauchen, wo wir durch die Digitalisierung profitieren können. Dann können wir uns danach ausrichten und uns dort gezielt weiterbilden. Leider ist aber dieser erste Schritt nicht der einfachste. Aber darüber in Schockstarre zu verfallen, wäre das Falsche, vielleicht müssen wir einfach etwas versuchen und den Prozess starten.

«Zuerst müssen wir uns ein Bild davon machen, was wir am Ende wirklich brauchen.»

Das Daten- und Informationsmanagement gewinnt immer mehr an Bedeutung. Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang?
Wie bereits erwähnt, sollten wir angesichts all der Daten oder Möglichkeiten den Fokus auf das setzen, was wir wirklich brauchen. Man darf – durchaus kritisch – hinterfragen, ob alle Daten tatsächlich gebraucht werden, auch wenn die Verlockung, alles anzusammeln, gross ist. Aber vielleicht irre ich mich und in Zukunft wird eine künstliche Intelligenz aus der Datenflut die richtigen Schlüsse ziehen, also auch aus Daten, die uns heute nicht relevant erscheinen oder die im Verlauf der Prozesse ohnehin anfallen.

Was ist Ihnen als Bauherr wichtig, wenn Sie Informationen bestellen?
Informationen benötigen für uns eine gewisse Beständigkeit und Eindeutigkeit, damit sie eine solide Basis für unsere Planung bieten.

Welche Rolle spielen die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft für Sie?
Beide Themen sind fester Bestandteil unserer Aufgabe als Bauherren. An vielen Stellen setzen wir diese Themen bereits um. Für uns ist es quasi schon Berufsalltag, sich damit auseinanderzusetzen. Dass diese Themen bereits so selbstverständlich verankert sind, unterstreicht ihre grosse Bedeutung.

Welche Ziele verfolgt die Interessengemeinschaft privater professioneller Bauherren IPB, deren Vorstand Sie angehören?
Der Verein vertritt als unabhängige Organisation die Interessen der privaten professionellen Bauherren gegenüber Dienstleistern, Fachverbänden, Behörden und anderen Organisationen. Wir fördern den Wettbewerbsgedanken, die Professionalisierung der Bauherrenfunktion und stärken die Kompetenz der Mitglieder als Auftraggeber. Weiter pflegen wir unter unseren Mitgliedern einen intensiven Know-how- und Erfahrungsaustausch.

Was sind die Hauptaufgaben dieser Organisation?
Die IPB wirkt bei der Neugestaltung von Normen und Verordnungen auf nationaler Ebene mit und beteiligt sich aktiv an der Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsgedankens in der Immobilienwirtschaft. Wir setzen uns die Professionalisierung im Bereich von Bau- und Immobilienfragen zum Ziel und suchen nach Immobilienkonzepten als neue Denk- und Handlungsweise für künftiges Planen und Bauen. Weiter fördern wir die Weiterbildung unserer Mitgliedsfirmen durch die Organisation professioneller Seminare und anderer Weiterbildungsangebote sowie die Kontaktpflege mit der ETH, KBOB, Fachhochschulen und anderen Verbänden.

Seit letztem Sommer vertreten Sie die IPB im Vorstand von CRB. Was ist Ihnen hier wichtig?
Gerne teile ich meine Freude für die Weiterentwicklung der Baubranche, aber auch die Erfahrungen aus meiner Tätigkeit bei der Bahn oder bei der IPB mit dem Vorstand von CRB. CRB steht zusammen mit der gesamten schweizerischen Bauwirtschaft vor spannenden Herausforderungen und Veränderungen, gerne begleite ich CRB auf diesem Weg und freue mich auf den zukünftigen Austausch mit den anderen Vorstandsmitgliedern.