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60 Jahre für die Standardisierung

Herbert Oberholzer – ehemaliger CRB-Präsident

Er blickt auf die Zeit von 1992 bis 2010 zurück: Um die Tätigkeit von CRB breiter abzustützen, wurden Vertreter wichtiger Fachverbände in den Vorstand aufgenommen.

Herbert Oberholzer, Architekt BSA/SIA, führt seit 54 Jahren ein Architekturbüro in Rapperswil. Neben seiner intensiven Bautätigkeit in der Schweiz hat er in Afrika ehrenamtlich etwa 80 Kirchen, Sozialzentren, Schulen, Spitäler und landwirtschaftliche Gebäude geplant. Von 1992 bis 2010 war er Mitglied im CRB-Vorstand, 1997 bis 2010 Präsident.

Sie haben sich von 1992 an 18 Jahre im Vorstand für CRB engagiert. Was hat Sie angetrieben?

Mir ging es immer um eine starke Bauwirtschaft. Dazu braucht es ein grosses Netzwerk und ein Miteinander. Deshalb war mir der Auf- und Ausbau des Netzwerks wichtig, und als selbstständiger Architekt und Vertreter des BSA im Vorstand von CRB lagen mir natürlich vor allem die Anliegen der Planer am Herzen.

Sie haben die CRB-Arbeitsmittel in Ihrem Büro von Anfang an eingesetzt?

Ja, bereits Ende der 60er-Jahre habe ich die Baumeisterarbeiten «elektronisch» ausgeschrieben. Ich habe die von Hand auf einem Formular eingetragenen NPK-Positionen mit zugeordneter Quantität nach Zürich geschickt. Dort wurden die Daten elektronisch erfasst und die gewünschte Anzahl Kopien gefertigt. Später haben meine Mitarbeiter immer mit dem NPK und dem BKP gearbeitet.

Wenn Sie Ihre Zeit als CRB-Präsident Revue passieren lassen, welche Meilensteine sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Da fällt mir zunächst der Umzug der Geschäftsstelle von der Zentralstrasse an die Steinstrasse ein; für CRB war das wichtig, da nun alle Abteilungen unter einem Dach waren. Dann konnten in Bezug auf den NPK verschiedene Optimierungen umgesetzt werden: So wurden z.B. QS-Gruppen aus praktizierenden Planern, Bauleitern und Unternehmern zur Qualitätssicherung eingesetzt. Weiter wurde darauf geachtet, dass auch Planer in den Arbeitsgruppen zur Erarbeitung neuer Kapitel mitwirkten, und die Ökologie wurde als Thema aufgenommen. An was ich mich ebenfalls erinnere, sind endlos lange Diskussionen über die Informationstechnologie, das «Transportmittel» war oft wichtiger als das «Transportgut». Schlussendlich haben sie aber dazu beigetragen, das Angebot zukunftsgerichtet auszubauen. So konnten die Endanwender die Daten erstmals mit einem Lizenzschlüssel direkt vom CRB-Server beziehen, und mit dem elementbasierten eBKP wurde eine zukunftsfähige Norm für die Kostenermittlung publiziert.

Was stand für Sie im Vordergrund?

Für mich war der Aufbau eines Netzwerks wichtig. Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass neben den drei Trägerverbänden BSA, SIA und SBV auch Vertreter anderer Verbände in den Vorstand von CRB aufgenommen wurden. Als Präsident war es mir weiter ein Anliegen, dass wir dort eine gute Atmosphäre hatten. Alle – Bauherren, Planer, Unternehmer – haben ihre oft unterschiedlichen Positionen engagiert eingebracht. Ich habe versucht, alle Standpunkte zu verstehen und aufzunehmen. Dies erforderte Offenheit und Beharrlichkeit.

Über was haben Sie sich am meisten gefreut?

Über die Kameradschaft, darüber, dass man einander geholfen hat, wenn es nötig war. In positiver Erinnerung habe ich auch die vielen engagiert geführten  sachlichen Diskussionen, in denen wir es trotz unterschiedlichen Auffassungen schlussendlich immer geschafft haben, eine gemeinsame Position zu finden. Lao-Tse sagt: «Wer Menschen führen will, muss hinter ihnen gehen.» Das habe ich versucht.

Wie hat Ihre Tätigkeit als Architekt Ihr Engagement im Vorstand beeinflusst?

Durch meine langjährigen Bauleiter, die den NPK angewendet und in verschiedenen NPK-Kommissionen mitgearbeitet haben, kannte ich auch die Schwächen einzelner Kapitel. Diese Praxissicht konnte ich dann auf der strategischen Ebene einbringen. Weiter habe ich mich dafür eingesetzt, die Einflussnahme der Planer bei der Erstellung der NPK-Kapitel zu stärken: Sie vertreten ja auch die Interessen des Bauherrn, deshalb kommt ihnen eine grosse Bedeutung zu. Auch die Einfachheit der Arbeitsmittel war mir wichtig. Die meisten Architekturbüros haben weniger als zehn Mitarbeiter, für sie müssen die Arbeitsmittel praktisch, schnell lesbar und bezahlbar sein. Dafür habe ich mich immer wieder eingesetzt.

Was wünschen Sie CRB zum 60. Geburtstag?

Dass es CRB auch weiterhin gelingt, mit seinen Arbeitsmitteln allen – den Bauherren, den Planern und den Unternehmern – einen möglichst grossen Nutzen und effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

Sie sind kürzlich 81 geworden. Woran arbeiten Sie gerade?

Neben der Planung eines Hotels mit 90 Zimmern in Rapperswil und einer Wohnüberbauung in Uznach arbeite ich gerade an einer Klosterkirche in Tansania.

Was beschäftigt Sie im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen in der Bauwirtschaft?

Was die immer stärkere Digitalisierung wie z.B. BIM betrifft, bin ich eher skeptisch – für mich stehen beim Bauen vor allem der Mensch – die Bauherrin, der Bauarbeiter, der Zeichner, der Bauleiter, der Unternehmer usw. – sowie die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Damit Bauten nachhaltig sind, müssen sie ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Kriterien erfüllen. Das war und ist das zentrale Thema meiner Arbeit.

CRB wurde 1959 vom Bund Schweizer Architekten BSA als Studienbüro für die Normierung und Rationalisierung im Bauwesen gegründet. Das 60-Jahr-Jubiläum ist ein guter Grund, den Blick nicht nur nach vorne zu richten, sondern auch ein bisschen zurückzuschauen. Deshalb unterhalten wir uns mit Personen, die CRB für einige Zeit begleitet, geprägt oder beobachtet haben.