So geht Tief- und Strassenbau

Im Verlag FachWissenBau FWB ist ein praxisnahes Fachbuch und Nachschlagewerk zum Thema Tief- und Strassenbau erschienen. Das aufwendig gestaltete und reich illustrierte Werk der beiden erfahrenen Bauingenieure und Dozenten Rolf Steiner und Tobias Frick enthält eine umfassende Auslegeordnung über die Planung und Ausführung von Projekten im Tief- und Strassenbau. CRB hat die Entstehung dieses Fachbuchs mit Fachwissen sowie mit Sprachdienstleistungen unterstützt. 

Was als Bieridee auf einer Serviette begann und anfänglich auf 150 Buchseiten limitiert war, reifte im Verlauf der letzten zwei Jahre zu einem umfangreichen Standardwerk in zwei Bänden von nicht weniger als 536 Seiten. Es füllt als Lehrmittel und Fachbuch eine Lücke im vorhandenen Angebot und liefert umfassende Grundlagen für alle relevanten Themen im Tief- und Strassenbau. Das Werk enthält Informationen über das Bauwesen in der Schweiz, die Auftragsbeschaffung, die Arbeitsvorbereitung und das Bauprogramm. Weitere Themen sind die Organisationsstrukturen und die Berufe des Bauhauptgewerbes, Baustelleneinrichtung, Inventar und Gerätschaften sowie Logistik und Transportmittel. 

Das Hauptgewicht wird auf die praxisorientierte Bauausführung gelegt. Im Tiefbau geht es dabei meist um Grabenbau, Wasserhaltung oder das Verlegen von Werkleitungen und Kanalisationen. Ganz neue Entwicklungen sind die grabenlosen Bauverfahren oder der Einbau von Flüssigboden. Der Strassenbau umfasst Strassenoberbau, Fundationen, Asphaltbeläge und Betonfahrbahnen sowie Abschlüsse, Pflästerungen, Oberflächenbehandlungen und Risssanierungen. Weitere Themen sind Baumaterialien sowie Vermessung und Absteckung. Hier kommen der digitalisierten Vermessungstechnik und der Frage, wie die geometrischen Punkte aus der Planung in der Ausführung am effizientesten genutzt werden, immer grössere Bedeutung zu. Im letzten Kapitel werden Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz behandelt. 

Praxisnahes Fachwissen

Wie die Autoren die Praxisorientierung des Fachbuchs umgesetzt haben, lässt sich in Kapitel 2 «Auftragsbeschaffung» am Beispiel 2.2 «Normpositionen-Katalog NPK» exemplarisch aufzeigen. Nach einer kurzen Vorstellung des Herausgebers der standardisierten Ausschreibungstexte werden die Entstehung von NPK-Kapiteln und die Vorteile ihrer Anwendung aufgezeigt. Anschliessend werden Gliederung und Struktur des NPK erläutert sowie die verschiedenen Anwendungsbereiche. Am Schluss sind Tipps aus der Praxis zusammengestellt und die Rubrik «Gut zu wissen!» zeigt in komprimierter Form, worauf es besonders ankommt: Im gewählten Beispiel wird das Datenaustauschformat erklärt und es wird auf Ausmassbestimmungen und Vergütungsregelungen eingegangen. 

Weiter kommen zahlreiche Experten aus der Industrie, dem Gewerbe und den Bildungsinstitutionen zu Wort. In Kapitel 2 ist dies Kirsten Grossmann, CRB-Projektleiterin im Fachbereich Tiefbau. Sie betont, dass der «NPK viele Möglichkeiten bietet, eine klare, übersichtliche und vollständige Leistungsbeschreibung zu erstellen». Allerdings ist dazu Fachwissen notwendig. Hier setzt das neue Fachbuch an, das sich vor allem an Studierende von Hochschulen und anderen Ausbildungsstätten richtet, die noch Erfahrung im Bereich der Ausführung sammeln müssen. Als Nachschlagewerk und zur Auffrischung und Erweiterung von Fachkompetenz leistet es aber auch dem Bauprofi einen wertvollen Dienst.

Das Fachbuch bringt immer wieder kurze hilfreiche Abschnitte mit «Tipps aus der Praxis» und «Gut zu wissen». Beispielsweise im Kapitel 2 Auftragsbeschaffung im Abschnitt über den Normenpositionen-Katalog: 

Die NPK-Systematik stellt dem Anwender eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, um die zu erbringende Leistung vollständig, unmissverständlich und optimal für alle Bedürfnisse zu beschreiben. Einige Themen, die immer wieder zu Unsicherheiten führen, werden in den folgenden Abschnitten erläutert.

Eventual-Positionen

Eventualpositionen sind nicht kalkulierbar. Sie enthalten Leistungen – wie der Name es bereits sagt –, die eventuell zur Ausführung gelangen oder alternativ zur vertraglichen Leistung erforderlich werden können, z.B. für Wasserhaltungen, spezielle Böschungssicherungen, Ausführungsvarianten, veränderte Qualitätsansprüche an Bauteile usw. Sie haben keinen Einfluss auf die Angebotssumme. Im Leistungsverzeichnis sollten diese Positionen deshalb nicht vorkommen, da sie Raum für Spekulationen bieten.

Per-Positionen

Im Gegensatz zu den Eventualpositionen haben Per-Positionen keine Mengenangaben im Leistungsverzeichnis. Sie dienen lediglich als Preisvorgabe oder Preisinformation. Für den Unternehmer ist es schwierig, diese Positionen zu kalkulieren, da der Mengenbezug und der davon abhängige Leistungswert fehlen. Aus diesem Grund entspricht der eingesetzte Einheitspreis meist nicht dem üblichen Marktpreis.

Regie-Positionen

Ausgewiesene Regiestunden im Leistungsverzeichnis (NPK-Kapitel 111 «Regiearbeiten») dienen zum Abrechnen von Arbeiten, die ausschliesslich oder mehrheitlich nach effektivem Aufwand ausgeführt werden sollen (z.B. Verkehrsdienst und kleinere Zusatzarbeiten). Die Bewirtschaftung der Regiearbeiten als Position im Kostenvoranschlag ist ausschliesslich der Bauherrschaft vorbehalten. Regiearbeiten sind weder eine stille Reserve in der Ausschreibung noch eine Reserveposition für die Projektverfasser.

Kleinmengen-Positionen

Wie bei den Per-Positionen, die in einem Leistungsverzeichnis eigentlich nicht vorkommen sollten, sind Kleinmengen zur «Absicherung» von Einheitspreisen kein taugliches Mittel. Es sind die Hauptmengen ins Leistungsverzeichnis aufzunehmen, die sich aus Projektplänen und der Baubeschreibung ergeben. Dies schliesst Kleinmengen nicht aus. Derart ausgestaltete Leistungsverzeichnisse können zu spekulativen Angeboten führen, deren finanzielle Auswirkungen erst in der Ausführung (z.B. bei deutlichem Mehrausmass) zum Tragen kommen.

Reserve-Positionen

Positionen, die mit einem «R» gekennzeichnet sind, nennt man Reserve- oder R-Positionen. Sie ermöglichen es, spezielle Leistungen zu erfassen, die nicht als Standard im NPK beschrieben sind. Durch das Erlernen der NPK-Systematik wird dem Anwender aber schnell bewusst, dass für fast alle gesuchten Leistungen eine geschlossene oder offene Unterposition existiert.

Ausmass lose, Ausmass fest

Feste Kubaturen sind im Profil gemessene, gelagerte Massen. Lose Kubaturen sind auf dem Transportmittel oder im Lager gemessene, aufgelockerte Massen mit definierten Auflockerungsfaktoren. Es ist ein einheitliches System mit losen oder fest gemessenen Kubaturen zu definieren. Feste Kubaturen sind einfacher nachzuvollziehen, da sie im Aushubprofil nachgemessen werden können.

Beispiel aus der Praxis

Das beiliegende Beispiel aus einem Leistungsverzeichnis zeigt exemplarisch, wie eine R-Position «falsch» verwendet werden kann. Die Leistungsbeschreibung ist unübersichtlich. Mehrere Treppentypen, Arbeitsschritte und Erschwernisse wurden hier in einer Globalen inkl. sämtlicher Leistungen zusammengefasst. Die ausschreibende Stelle versucht mit dieser Position auf einfache Art und Weise, die eigentliche Devisierung mit allen noch ungelösten Problemen an den Unternehmer abzuschieben. Dieser muss selbst ein Leistungsverzeichnis mit den entsprechenden Mengen erstellen, um überhaupt kalkulieren zu können. Ein Sorglospaket erhält der Ausschreibende bei solchen Leistungs-positionen aber meist nicht, sondern er bietet dem Unternehmer damit ein grosses Diskussions- und Nachtragspotenzial.

Gut zu wissen!
Ausmassbestimmungen und Vergütungsregelungen

Die verschiedenen NKP-Kapitel haben unterschiedliche allgemeine Bedingungen (Vertragsnormen, ABB) und somit auch unterschiedliche Ausmassbestimmungen und Vergütungsregelungen als Grundlagen. Die allgemeingültige Norm SIA 118 gilt für praktisch alle NPK-Kapitel. Aber nicht nur beim NPK-Kapitel 237 «Kanalisationen und Entwässerungen» gibt es mit der Norm SIA 118/190 eine ergänzende Vertragsnorm, sondern z.B. auch beim Kapitel 241 «Ortbetonbau» mit der Norm SIA 118/241. Das Kapitel 151 «Bauarbeiten für Werkleitungen» hatte eine VSS-Norm als Grundlage. Die Ausmassbestimmungen und Vergütungsregelungen sind aber mittlerweile in dieser Norm 07 701 des VSS nicht mehr enthalten. Sie sind nur noch im Abschnitt 000 des NPK-Kapitels 151 aufgeführt. Die Pflichten der Vertragspartner im Tiefbau sind aber im¬mer noch in der kaum bekannten ABB 07 701 geregelt.