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Lebenszykluskosten konsequent einsetzen

Frühe Planungsentscheide bestimmen die Kosten eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus – doch Folgekosten werden oft unterschätzt. Der revidierte LCC-Leitfaden schafft eine fundierte methodische Basis, und mit dem neuen LCC-Kalkulator steht ein praxisnahes Werkzeug für lebenszyklusorientierte Kostenplanung zur Verfügung.

30.06.2026 | Katrin Mark*
 

Wer ein Gebäude plant, trifft früh Entscheidungen, die das Kostenbild über den gesamten Lebenszyklus prägen. Betrieb, Unterhalt und Instandsetzung übertreffen die Investitionskosten langfristig um ein Vielfaches – trotzdem fliessen diese Folgekosten selten systematisch in Planungsentscheide ein.

Der unter der Regie von CRB revidierte LCC-Leitfaden schafft dafür eine klare methodische Grundlage und mit dem LCC-Kalkulator steht ein praxistaugliches Werkzeug für die Umsetzung bereit. Erarbeitet wurde der Leitfaden in Kooperation mit IFMA Schweiz und einem breit abgestützten Steuerungsausschuss aus Eigentümerinnen und Eigentümern, Beratenden und der öffentlichen Hand. Er definiert Begriffe, beschreibt Verfahren und erläutert den Umgang mit Einflussparametern, Unsicherheiten und Risiken. Basis bilden die Normen ISO 15686-5, SN 506 511 «Elementbasierter Baukostenplan Hochbau eBKP-H» und SIA 112 «Modell Bauplanung».
 

Was sich gegenüber früher geändert hat

Bisher stand das IFMA-Tool (2010) als Grundlage für die LCC-Ermittlung und Nachweisführung im nachhaltigen Bauen zur Verfügung. Der neue Leitfaden bildet die methodische Grundlage für eine konsistente, lebenszyklusorientierte Kostenplanung – von der Planung über die Realisierung bis zur Bewirtschaftung.

Der neue LCC-Kalkulator auf Excel-Basis ermöglicht eine strukturierte Ermittlung, Analyse und den Vergleich von Lebenszykluskosten (Life Cycle Costs LCC). Er unterstützt dynamische Kostenprognosen, bildet alle SIA-Phasen ab und eignet sich für Neubauprojekte wie auch für bestehende Immobilien. Erstmals werden externe Kosten – etwa CO₂-Vermeidungskosten, die durch das Klima- und Innovationsgesetz gesetzlich verankert sind – als eigene Kostenart integriert. Die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) hat im September 2025 eine harmonisierte LCC-Methodik für Bundesbauten verabschiedet, auf die der LCC-Kalkulator abgestimmt ist. Für Projekte des Bundes mit Investitionskosten über CHF 10 Mio. gilt die quantitative LCC-Ermittlung künftig als Standard.
 

Wer den Kalkulator einsetzt

Leitfaden und Kalkulator richten sich an alle, die langfristig Verantwortung für eine Immobilie tragen oder Planungsentscheide beeinflussen:

  • Eigentümerinnen und Investoren, die Erstellungs- und Folgekosten gesamthaft beurteilen wollen
  • Bauherrschaften der öffentlichen Hand, die als Betreibende und Nutzende direkt von den Bewirtschaftungskosten betroffen sind
  • Planende und Beratende, die Variantenentscheide auf Kostenbasis fundiert beurteilen und die LCC-Ermittlung als Instrument des planungsbegleitenden Facility Managements einsetzen
  • Facility-Management-Fachleute und Verwalterinnen, die Bewirtschaftungsstrategien kostenbasiert entwickeln und bereits in der Planung Einfluss nehmen wollen

Die LCC-Ermittlung ist zudem ein etabliertes Bewertungskriterium bei Nachhaltigkeitszertifizierungen wie SNBS oder DGNB/SGNI. 

LCC-Leitfaden und Kalkulator sind ein Fortschritt für die Schweizer Baupraxis. Belastbare Ergebnisse entstehen, wenn die LCC-Ermittlung nicht als Pflichtübung, sondern als Planungsinstrument für Variantenvergleiche über Phasen hinweg verstanden wird – mit dem Fokus auf Optimierung über den gesamten Lebenszyklus.

* Katrin Mark ist Senior Advisor bei Intep – Integrale Planung GmbH in Zürich und war Mitglied des Steuerungsausschusses für den CRB-LCC-Leitfaden 2026.