Im Zentrum stehen die Mitglieder

Interview in tedesco o francese

Daniel Huser, Geschäftsführer eines Spenglerei- und Sanitärunternehmens und Zentralpräsident des suissetec, erläutert im Gespräch, wo er Handlungsspielraum für mehr Effizienz im Bauprozess sieht.

Interview: Gaby Jefferies
07.01.2021

Seit sechs Jahren sind Sie Zentralpräsident des Gebäudetechnikverbands suissetec. Was fasziniert Sie an dieser Aufgabe?
Ich bin nach wie vor stolz darauf, einen Verband mit einer Geschichte von über 125 Jahren zu leiten. Das bedeutet, dass wir festen Boden unter den Füssen haben – die Tradition gibt uns Kraft für die Herausforderungen, die auf uns zukommen. Die suissetec-Branchen sind innovativ, energie- und umweltbewusst – mit attraktiven Berufen und sicheren Zukunftsaussichten. Den Gebäudetechnikbranchen kommt bei der energetischen Transformation des Gebäudeparks eine grosse Verantwortung zu.

Sie leiten ein traditionsreiches Spenglerei- und Sanitärunternehmen mit über 25 Mitarbeitenden. Was liegt Ihnen hier besonders am Herzen?
Erste Priorität hat die optimale Zufriedenstellung unserer Kunden. Dazu muss man deren Bedürfnisse erkennen und erfüllen, eine transparente Informations- und Kostenpolitik pflegen, hohe Qualität zu Marktpreisen bieten, innovativ denken und auf dem neusten Stand der Technik sein. Weiter liegt mir die Einhaltung der Termine am Herzen. Ein freundliches und gepflegtes Auftreten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist für mich ein Muss. Mit externen und internen Schulungen verbessern wir kontinuierlich ihren Ausbildungsstandard.

Ab Januar 2021 können Heizungsanlagen mit neuen NPK-Kapiteln beschrieben werden. Welche Bedeutung haben diese Arbeitsmittel für Sie?
Die Kalkulationsgrundlagen bilden die Basis zur Preisberechnung für eine Heizungsanlage. Im Bereich Heizung hat in den letzten 15 Jahren eine grosse technologische Entwicklung stattgefunden. Es ist wichtig, dass die Arbeitsmittel auf dem aktuellsten Stand sind. Der NPK ist eine Struktur zur Standardisierung der Kommunikation im Bauwesen, vergleichbar mit einem Kontenplan in der Finanzbuchhaltung. Sie trägt dazu bei, dass alle am Bauwerk Beteiligten vom Gleichen sprechen. Wie im Bereich Sanitär, Wasser, Gas kann diese Struktur jetzt auch für Heizungsanlagen eingesetzt werden. Ein Standard ist aber nur so gut, wie er genutzt wird. Daher ist es wichtig, dass die Planer auch tatsächlich mit den neuen Kapiteln ausschreiben. Obwohl alle von Digitalisierung sprechen, erhalten wir noch immer Submissionen in Papierform – hier gibt es noch sinnvolles Potenzial.

Alle reden von BIM – wie nehmen Sie die Digitalisierung als Unternehmer wahr bzw. wie können Sie davon profitieren?
Heute werden die meisten Bauvorhaben noch mit den traditionellen Planungs- und Ausführungsmethoden realisiert. Nach dem Planungsprozess wird die Verantwortung für die Umsetzung der Gewerke mehrheitlich auf die Baustellen delegiert. Dem Montagepersonal wird damit eine grosse Verantwortung übertragen: im Zweifelsfall muss es die Pläne und die Installation nach eigenem Ermessen erstellen, was entsprechende Fähigkeiten voraussetzt. Hier sehe ich den grössten Handlungsspielraum für die Optimierung. Mit modellbasiertem Arbeiten, d.h. mit beschriebenen Prozessabläufen und digitalen Gebäudetechnikmodellen, welche mit Informationen (zu Leitungslängen, Vorfabrikationen) ausgestattet sind, wird die Effizienz zum Nutzen aller gesteigert.

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für den Gebäudetechnikverband?
suissetec ist seit Jahren in diesem Bereich aktiv und hat schon früh digitalisierte Prozesse eingeführt. Unsere Print-on-Demand-Lösung und der entsprechend automatisierte Shopprozess sind z.B. schon bald zehn Jahre in Betrieb. Die aktuelle Situation treibt den digitalen Wandel aber zusätzlich stark an. Wir sehen die rasante Entwicklung als Chance und haben uns als Verband Agilität auf die Fahne geschrieben. Im nächsten Jahr werden wir diesbezüglich unser Leistungsanbot und die personellen Ressourcen ausbauen. Aber auch intern setzen wir in allen Bereichen auf eine wirksame Digitalkompetenz.

Wie wird die BIM-Planung das Erstellen und Rechnen von Unternehmerleistungen verändern?
BIM ist ja eigentlich keine neue Erfindung. In der Maschinenindustrie zum Beispiel arbeitet man schon sehr lange so. Wichtig und möglich ist dies nur, wenn alle am Bauwerk Beteiligten möglichst früh einbezogen werden. Künftig kann ich mir gut vorstellen, dass dann bei Projekten, welche nach der BIM-Methode abgewickelt werden, auch vermehrt nach diesen Gebäudemodellen kalkuliert wird. Eine geeignete Integration in modellbasierte Prozesse wird einen noch höheren Stellenwert erhalten, um Unternehmerleistungen effizient berechnen zu können.

Mit welchen Themen setzt sich Ihr Verband aktuell auseinander?
Wie viel Zeit habe ich, um darüber zu berichten? Im Ernst: Die Arbeit geht uns nicht aus, wir arbeiten an sehr vielen Themen. Die Digitalisierung habe ich bereits erwähnt. Hier sind wir auch mit unzähligen Software-Hilfsmitteln für die Branche gut im Rennen. Ganz oben auf der Liste stehen auch die Bildungsprojekte. Aktuell die Umstellung auf die vierjährige Lehre mit Handlungskompetenzorientierung. Dazu realisieren wir in den nächsten Jahren einen Aus- und Umbau unseres Bildungszentrums – natürlich mit BIM. Sehr aktiv sind wir auch bei der Rekrutierung von Fachleuten und beim Aufzeigen, wie attraktiv eine Berufslehre allgemein und die Gebäudetechnikberufe im Speziellen sind. Politisch engagieren wir uns seit vielen Jahren für die Transformation des Gebäudeparks und verstehen uns als Teil der Lösung für eine grosse gesellschaftliche Herausforderung, aktuell z.B. im Komitee der Schweizer Wirtschaft für das CO2-Gesetz.

CRB – suissetec: Was sind die gemeinsamen Themen unserer Organisationen?
In meinem Verständnis haben wir unterschiedliche Aufgaben für dasselbe Ziel: Vereinfachung der Prozesse und Kommunikation im Bauwesen. CRB ist dabei die Organisation, die entsprechende Standards definiert und zum Nutzen der Branchen zur Verfügung stellt. Die Verbände stellen darauf aufbauende fachlich ausgerichtete Dienstleistungen und Produkte bereit. Für die Gebäudetechnik- und Gebäudehüllebranchen macht das suissetec. Aber auch wir sind teilweise in der Standardisierung aktiv. Zusammen mit der IGH haben wir in den letzten Jahrzehnten einen Standard für Produktdaten entwickelt und etabliert.

Seit 2016 vertreten Sie Ihren Verband im Vorstand von CRB. Was ist Ihnen hier wichtig?
CRB ist im Grunde eine Interessengemeinschaft, die gegründet wurde, um die Kommunikation im Bauwesen zu vereinfachen und zu standardisieren. Im Zentrum steht der Nutzen für die Baufachleute. Wenn sich Standards also etablieren sollen, müssen sie erstens möglichst offen konzipiert und einfach zugänglich sein, und zweitens möglichst kostenlos oder kostengünstig verfügbar sein. Daher ist CRB ja auch als Non-Profit-Organisation gegründet worden. Das muss stets der Leitgedanke bei allen unseren Vorstandsentscheidungen sein. Im Weiteren schätze ich den Gedankenaustausch an Vorstandssitzungen, Klausurtagungen und Versammlungen.

Welchen Wunsch haben Sie persönlich in Bezug auf die Zusammenarbeit von suissetec und CRB für die Zukunft?
Ich wünsche mir weiterhin eine offene und transparente Zusammenarbeitskultur auf Augenhöhe. Am Ende des Tages geht es immer um die Bedürfnisse unserer Mitglieder, nicht um verbandspolitische Präferenzen.

Daniel Huser, Sanitärplaner mit eidg. Diplom und Spengler, ist Inhaber der Huser Gebäudetechnik AG. Seit 2014 ist er Zentralpräsident des Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverbands suissetec, und seit 2016 engagiert er sich im CRB-Vorstand.