Gartenbau fachgerecht ausschreiben

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Mit dem neuen NPK 181 Garten- und Landschaftsbau lassen sich die vielseitigen gartenbaulichen Tätigkeiten in Gärten und Grünflächen umfassend beschreiben. Der Landschaftsarchitekt Philipp Müller erläutert die Neuerungen und ruft die Ausschreibenden dazu auf, Baupakete so zu schnüren, dass Garten- und Tiefbau klar getrennt sind.

Interview: Gaby Jefferies
22.04.2021

Was waren die Gründe für eine umfassende Überarbeitung des Kapitels?
Der Inhalt des NPK 181 wurde zuletzt 2007 vollständig überarbeitet. Seither gab es nicht nur neue Normen (SIA 312 und 318) und eine neue Abfallverordnung, auch die Bautätigkeit und die Baumaterialien haben sich weiterentwickelt. Die Leistungsbeschreibungen müssen diese Veränderungen berücksichtigen. Zudem sind über die Jahre von Fachleuten, die den NPK 181 in der Praxis einsetzen, verschiedene Anpassungsvorschläge eingegangen.

Welche Verbände waren beteiligt?
Für den fachlichen Inhalt ist JardinSuisse, der Unternehmerverband der Gärtner, verantwortlich. In der Begleitgruppe haben auch Vertreter des BSLA und des SBV sowie eines öffentlichen Bauherrn mitgearbeitet.

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Überarbeitung?
Es war für die Beteiligten schwierig, sich darüber zu verständigen, welche Positionen in das Kapitel gehören und welche nicht. Der NPK 181 deckt die ganze Vielfalt der gärtnerischen Tätigkeiten ab, also alle von einem Gärtner ausgeführten Arbeiten mit Holz, Naturstein, Beton usw. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in Gärten, Parkanlagen und in der Landschaft für Verkehrslasten, Materialaufbauten und Statik nicht die gleichen Vorgaben und Standards erforderlich sind wie bei Tiefbauarbeiten.

Welche Themen führten zu Diskussionen?
Am meisten wurde über die Abgrenzung der Tätigkeiten des Tiefbaus gegenüber dem Garten- und Landschaftsbau diskutiert. Meiner Meinung nach kann dies nicht über den Ausschluss von Beschreibungen im NPK 181 gelöst werden. Es liegt vielmehr in der Verantwortung der Ausschreibenden hier für Klarheit zu sorgen – sie müssen die Baulose für Arbeiten des Bauhauptgewerbes- sowie für die gartenbaulichen Arbeiten so formulieren, dass klar ist, welche NPK-Kapitel verwendet werden sollen. Auch über fehlende Grundlagen der Ausschreibenden wurde diskutiert. Auch hier vertrete ich die Auffassung, dass sich dies nicht im Leistungsverzeichnis lösen lässt. Für eine faire Offertstellung müssen die Voraussetzungen in den Plänen und in der Leistungsbeschreibung eindeutig definiert werden.

Von welchen Neuerungen können die Ausschreibenden profitieren?
Die Gliederung des Kapitels folgt dem Arbeitsablauf auf der Baustelle. Damit kann das Leistungsverzeichnis plausibel aufgebaut werden. So ist die Erstellung von Fundamenten von Bauteilen wie Mauern jetzt im Abschnitt 200 «Erdarbeiten» integriert. Viele Bereiche der gartenbaulichen Tätigkeiten sind detaillierter aufgeführt und an die heutige Materialverwendung angepasst. So wurden z.B. Keramikplatten, Stahlabschlüsse oder Holzbauten ergänzt. Der Ingenieurbiologie – damit sind bauliche Massnahmen mit Pflanzen gemeint – ist neu ein ganzer Abschnitt (600) gewidmet und die Erstellungspflege wurde umfassend erweitert.

Weshalb empfehlen Sie den NPK 181 zur Anwendung?
Mit diesem Kapitel kann der sorgfältige Umgang mit lebender Materie wie Boden und Vegetation fachgerecht beschrieben werden. Weiter deckt der neue NPK 181 die vielseitigen gartenbaulichen Tätigkeiten in Gärten und Grünflächen ab.

Wann setzen Sie den NPK 181 ein und wann greifen Sie auf andere Tiefbau-Kapitel zurück?
Der NPK 181 ist das Hauptwerkzeug für den Garten- und Landschaftsbauer. Mit ihm kann die grosse Vielfalt der Garten- und Parkanlagen sowie der Landschaft beschrieben werden. Kleinere Arbeiten können damit komplett ausgeschrieben werden. Für umfassende Arbeiten wie z.B. Strassenabschlüsse, Beton- und Asphaltbeläge, Sportbeläge oder Dachbegrünungen stehen separate NPK-Kapitel zur Verfügung.

Worin unterscheiden sich der NPK 181 und die anderen Kapitel im Tiefbau?
Für den NPK 181 gilt die Norm SIA 318 «Garten- und Landschaftsbau». Die anderen Tiefbau-Kapitel haben VSS-Normen oder andere SIA-Normen als Grundlage.

Es war nicht das erste Mal, dass Sie in einer NPK-Begleitgruppe mitgearbeitet haben. Was nehmen Sie mit?
Die Erfahrung eines spannenden Austauschs. In den Diskussionen muss man sich mit den verschiedenen Standpunkten in Bezug auf die Leistungsbeschreibungen im Gartenbau auseinandersetzen. Dies trägt dazu bei, faire Vertragsvoraussetzungen für alle beteiligten Parteien zu generieren.

Ihr nächstes Projekt?
Ich freue mich auf die erste Ausschreibung eines grösseren Projekts mit dem neuen NPK 181, vor allem darauf, die Vorteile gegenüber der alten Version auszuschöpfen. Ich bin sicher, dass die richtige Anwendung der Veränderungen zu klareren Vertragsbedingungen beiträgt, was schlussendlich beiden Vertragspartnern, dem Planer und der Bauleitung, zugutekommt.