Ausschnitt aus Fachmodell

 

 

Solide Basis für die Mengenermittlung

Vor fast zwei Jahren hat CRB der Baubranche eine erste Version des Regelsatzes eBKP-H zur Verfügung gestellt. Wenig später folgte das Pendant für den Tief- und Infrastrukturbau. Die zwei Regelsätze bilden die Basis, um Mengen direkt aus dem CAD-Modell zu ermitteln. In der Zwischenzeit wurden sie in mehreren BIM-Pilotprojekten, die CRB in der Rolle als «Standardisierer» begleiten durfte, erfolgreich eingesetzt und weiterentwickelt. In einem nächsten Schritt wird das eBKP-Plug-in eine einheitliche und automatisierte Klassifizierung der Bauteile nach eBKP ermöglichen.
Marcel Chour, Projektleiter Entwicklung und Technologie
16.04.2021

Planende haben den Wunsch bzw. das Bedürfnis, auf einfache Art und Weise eine Mengenermittlung zu erstellen. Diese soll direkt in einer Software, wenn möglich automatisiert, durchgeführt werden können. Die Realität sieht aktuell etwas anders aus: Damit die Mengen nach den in den Anwenderhandbüchern eBKP-H und eBKP-T definierten Messregeln ermittelt werden können, ist es notwendig, die Bauteile vorgängig zuerst der jeweiligen eBKP-Gliederung zuzuweisen. Momentan muss der Modellierer diesen zeitintensiven Prozess manuell direkt in einem CAD-Autorentool durchführen. Zum zeitlichen Aufwand kommt bei dieser Vorgehensweise auch ein erhöhtes Fehlerpotenzial. Fehlende Kenntnisse bezüglich des IFC-Schemas oder individuelle Anwenderpräferenzen, wie ein Bauteil auf ein eBKP-Element gemappt werden soll, ergeben unterschiedliche Resultate. Auch die falsche Anwendung eines Bauteils – z.B. eine Bodenplatte, die um 90 Grad in die Vertikale gewendet und anschliessend durch den Anwender als Wand «weiterverwendet» wird – führt unweigerlich zu falschen Mengenermittlungen pro eBKP-Element.

Aufwendige Nachbearbeitung

Dies hat zur Folge, dass das Modell bei der Übergabe an einen weiteren Projektbeteiligten zuerst durch eine detaillierte Nachbearbeitung bereinigt werden muss. Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, die CRB bei der Begleitung verschiedener BIM-Pilotprojekte in der Rolle als «Standardisierer» beobachten konnte. Fakt ist, die Arbeitsweise, die für die jeweiligen Projektbeteiligten in der Kollaboration funktioniert, führt auf der anderen Seite oft zu einem Mehraufwand. Daraus ergibt sich unweigerlich die Frage nach dem Mehrwert der Zusammenarbeit, denn das Ziel der Digitalisierung sollte letztlich Vereinfachung und weniger Aufwand sein. CRB kann hier die Rolle des Vermittlers zwischen den Projektbeteiligten übernehmen. Genau wie dies bei der Ausschreibung mit dem NPK seit Jahrzehnten praktiziert wird, kann CRB auch bei der Zuweisung der Bauteile in einem digitalen Bauwerksmodell durch Vereinheitlichung einen Mehrwert bieten. Das eBKP-Plug-in, das zukünftig in den gängigsten CAD-Autorentools installiert werden kann, wird dem Anwender die manuelle Zuweisung dort, wo sie möglich ist, abnehmen und dafür sorgen, dass das eBKP-Mapping auf die Bauteile auf der Basis der CRB-Standards durchgeführt wird. So können Fehlerquellen reduziert und die Qualität der modellbasierten Mengenermittlung gesteigert werden.

Vorteile eBKP-Plug-in auf einen Blick

ermöglicht eine einheitliche und automatisierte Klassifizierung der Bauteile nach eBKP

minimiert den Aufwand für die Klassifizierung

hilft Fehlerquellen zu vermeiden

erhöht die Qualität der modellbasierten Mengenermittlung

Deutlich weniger Aufwand

Der Anwender kann die beiden Schweizer Normen, den Baukostenplan Hochbau eBKP-H und den Baukostenplan Tiefbau eBKP-T, direkt über das eBKP-Plug-in in ein CAD-Autorentool importieren. Neben den Verbindungen der Bauteile zum eBKP erhält er über den integrierten Regelsatz gleichzeitig die Verbindung zum internationalen IFC-Standard. Der Mehrwert des eBKP-Plug-in besteht darin, dass die Zuweisung der Bauteile über das eBKP-Mapping – überall dort, wo es aktuell möglich ist – automatisiert erfolgt. Sind im Modell Wände vorhanden, so erkennt das Plug-in diese und schlägt dem Anwender für den eBKP-T z.B. automatisch das Element «O 2.1 Wand» vor. Beim eBKP-H werden momentan entweder das Element «C02.01 Aussenwandkonstruktion» oder das Element «C02.02 Innenwandkonstruktion» vorgeschlagen. Die definitive Zuweisung, ob es eine Aussen- oder eine Innenwand ist, wird vom Anwender manuell gemacht. Zukünftig sollen auch diese Merkmale sowie Materialien durch das Plug-in erkannt und mit dem entsprechenden eBKP-Element verbunden werden. 

Wenn alle Projektbeteiligten die Gliederungsdaten jeweils über das eBKP-Plug-in beziehen und mit dem eBKP-Mapping die Zuweisung der Bauteile nach den CRB-Standards durchführen, wird die Vereinheitlichung der Klassifizierung der Bauteile zunehmen. Für die Fachplaner wird dadurch die Integration der jeweiligen Fachmodelle in ein Koordinationsmodell vereinfacht, und die damit verbundenen Fehlerquellen sowie der Aufwand für die Nachmodellierung werden deutlich reduziert. Gerade beim Datenaustausch zwischen Planer und Unternehmer entsteht auf der Unternehmerseite ein Mehraufwand, wenn das Bauwerksmodell infolge fehlerbehafteter Informationen bereinigt werden muss.

Aktive Unterstützung beim eBKP-Mapping

Das eBKP-Plug-in hilft dem Anwender, das digitale Bauwerksmodell für die modellbasierte Mengenermittlung vorzubereiten. Dieser Prozess wird direkt über das Plug-in durchgeführt. Zunächst erfolgt das automatisierte eBKP-Mapping bei allen Bauteilen, bei denen eine einheitliche Zuweisung möglich ist. Bei den Bauteilen, bei denen dies aufgrund fehlender Informationen nicht geht, muss die Zuweisung durch den Anwender manuell vorgenommen werden. Ein manueller Prozess muss auch dann durchgeführt werden, wenn anwenderspezifische Bauteile verwendet werden, die im CRB-Standard eBKP-Gate nicht vorhanden sind, z.B. das anwenderspezifische eBKP-Teilelement «C02.01.423 Strohwand». 

Aber auch bei der manuellen Zuweisung unterstützt das eBKP-Plug-in den Anwender: Es schlägt ihm alle bekannten und verfügbaren eBKP-Elemente, aufgelistet in tabellarischer Form, vor und hilft ihm so bei der Eingrenzung – immer unter der Voraussetzung, dass dies auf Basis der verfügbaren Informationen möglich ist. D.h. der Anwender erhält einen Vorschlag für die Klassifizierung der Bauteile, den er bestätigen kann. Dazu stehen ihm zwei verschiedene Mappingprozesse zur Verfügung: das Mapping nach einer Kategorie und das Mapping nach einem Bauteil. Beim Mapping nach einer Kategorie werden sämtliche Bauteile des gleichen Typs in der dazugehörigen Kategorie zusammengefasst. Der Anwender kann somit den Vorschlag der Kategorie für alle darin enthaltenen Bauteiltypen in einem Durchgang mit dem eBKP verbinden. Dieser Prozess eignet sich vor allem bei der Anwendung von standardisierten Bauteilen und reduziert den zeitlichen Aufwand für die Klassifizierung erheblich. Beim Mappingprozess nach einem Bauteil wird jedes einzelne Bauteil durch das Plugin individuell betrachtet. Das Plug-in liefertauch bei diesem Prozess die entsprechenden Vorschläge für das eBKP-Mapping, sofern ein Klassifizierungsvorschlag möglich ist. In beiden Prozessen müssen die Vorschläge jeweils vom Anwender bestätigt werden. Der Fortschritt der Zuweisung wird dem Anwender über einen Fortschrittsbalken grafisch angezeigt. Durch diese Vorgehensweise kann der Anwender den bisherigen Aufwand für die Klassifizierung der Bauteile auf ein Minimum reduzieren und gleichzeitig die Modellqualität deutlich erhöhen. Die Bauteile sind innert kürzester Zeit nach dem eBKP klassifiziert und stehen für die anschliessende Mengenermittlung bereit.

Präsentationsvideo CRB-Impulse 
«Modellbasierte Mengen- und Kostenermittlung nach eBKP»

  • Mengenermittlung aus dem Modell heraus
  • eBKP-Plug-in
  • Praxisbeispiel Tiefbau Pardoreia Faido: Aus der Sicht eines Bauherrn 

   

Kostenlose Registration für die Aufnahme erforderlich.

Modellbasierte Mengenermittlung nach eBKP

Ist das digitale Bauwerksmodell vollständig mit dem eBKP verbunden, kann der Anwender mit der Mengenermittlung nach eBKP beginnen. Dieser Prozess wird nicht im eBKP-Plug-in durchgeführt. Für die Mengenermittlung wird üblicherweise eine dafür spezialisierte Software eingesetzt oder sie erfolgt manuell in einer Exceltabelle. Zu beachten ist, dass für die Mengenermittlung zwingend die Messregeln gemäss Anwenderhandbuch eBKP-H für ein Hochbauprojekt oder gemäss Anwenderhandbuch eBKP-T für ein Tiefbauprojekt beachtet werden müssen.  Weiter muss der Anwender je nach vorhandenem Kostenkennwert für ein Element vorgängig die dazugehörige Bezugsgrösse für die Mengenermittlung festlegen. Wird z.B. eine lineare Bezugsgrösse mit einem Kostenkennwert einer volumenbasierten Bezugsgrösse multipliziert, so führt dies zu deutlichen Kostenverzerrungen in der Kostenermittlung.

eBKP-Plug-in Version 1.0

Aktuell steht das Plug-in als Prototyp zur Verfügung, der im CRB-Impulse-Webinar am 14. Januar 2021 vorgestellt wurde. Dieser Prototyp wird nun für den produktiven Betrieb weiterentwickelt. Mit dem eBKP-Plugin sollen möglichst alle Fachdisziplinen abgedeckt werden können. Dazu laufen bei CRB parallel die Entwicklungsarbeiten der eBKP-Zuweisungen für den Bereich Hochbau mit dem Baukostenplan eBKP-H sowie für den Bereich Tief- und Infrastrukturbau mit dem Baukostenplan eBKP-T. In der ersten Version werden die unterschiedlichen Fachdisziplinen noch nicht überall vollständig abgedeckt sein, da auf internationaler Ebene bei buildingSMART International die Entwicklungen zum erweiterten IFC-Standard 5x noch nicht vollständig abgeschlossen sind.

Dieser Umstand betrifft hauptsächlich den Tiefbau. CRB orientiert sich jedoch an den bereits vorhandenen Ergebnissen und übernimmt diese soweit wie möglich in das eBKP-Plug-in. Diese Vorgehensweise, die seit der Publikation des Regelsatzes IFC – eBKP-T anfangs 2019 konsequent verfolgt wird, hat sich gut bewährt.

Umfang und Weiterentwicklung

Nach aktueller Planung wird die erste Version des eBKP-Plug-in ab Sommer 2021 ausgewählten Usern zu Testzwecken zur Verfügung stehen. Sie sollen in Zusammenarbeit mit CRB in Bezug auf Fehler, Benutzerfreundlichkeit und Anwenderwünsche gezielt Feedback geben, das dann in die Weiterentwicklung einfliessen kann. Die Testversion enthält die aktuellen Daten des elementbasierten Baukostenplans Hochbau eBKP-H (2020) und des Baukostenplans Tiefbau eBKP-T (2017) sowie des eBKP-Gate (momentan noch bis zur 4. Ebene der Teilelemente) und kann in Revit installiert werden. An der Bereitstellung für weitere CAD-Autorentools wird derzeit gearbeitet. Als neutrale Standardisierungsorganisation bietet CRB allen interessierten Software-Partnern die Möglichkeit, das eBKP-Plug-in in ihr Programm zu integrieren. 

Ansprechpartner bei Fragen oder Anregungen: Marcel ChourProjektleiter Entwicklung und Technologie