Standardisierung kennt keine Grenzen

Am buildingSMART International Standards Summit 2019 fanden sich zwischen dem 28. Oktober und dem 1. November 2019 über 1'400 Teilnehmende aus 28 Ländern in Peking ein. Weitere 40'000 Interessierte verfolgten den Eröffnungsanlass online. CRB war als einzige Schweizer Vereinsvertretung vor Ort und konnte einerseits richtungsweisende Inputs für die Entwicklung der digitalen Standards einbringen und andererseits die Harmonisierung der für die Schweiz relevanten Standards vorantreiben. 

 Autor: Stefan Reiser, Projektleiter Produktion  

Im Rahmen der Standards Summits treffen sich die internationalen Vertreter und Vertreterinnen von buildingSMART (bSI) zweimal jährlich, um den Puls der Branche zu fühlen und sich intensiv und kollaborativ mit der Entwicklung von Standards auseinanderzusetzen. Am bekanntesten dürfte der offene BIM-Standard IFC (Industry Foundation Class» sein, welcher durch dieses Gremium erarbeitet wird. Aber auch weitere wichtige Werkzeuge, von COBie (Construction Operations Building Information Exchange), bSDD (buildingSMART Data Dictionary), bis hin zu individuellen Qualifikationsprogrammen, werden in diesen Tagen gemeinsam beleuchtet und auf ein neues Level gebracht.

Am Eröffnungsplenum haben rund 15 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Regierung Erfolge und Projekte vorgestellt, welche sich mit der Anwendung von bSI-Standards in der Praxis befasst haben. Besonders hervorzuheben sind die Beiträge der schwedischen Verkehrsbehörde «Trafikverket», welche eindrücklich aufzeigte, wie die jeweiligen Regelwerke auf nationaler und internationaler Ebene verknüpft wurden, um aktuelle und verlässliche Referenznummern für jedes verwendete Bauteil zu bilden. Auch die Erfahrungen der «Singapore Land Authority» im Bereich eines digitalen Zwillings eines gesamten Stadtstaates zeigten auf, wie viel Potenzial in zuverlässigen und korrekt verwalteten Informationen liegt. Zusätzlich fanden am Eröffnungstag Podiumsdiskussionen statt, welche sich mit der Geschwindigkeit und der Umsetzbarkeit der Digitalisierung im Bauwesenauseinandersetzten.

In den darauffolgenden zwei Tagen beschäftigten sich insgesamt acht sogenannte «Rooms» ausführlich mit verschiedenen Fokusthemen. CRB brachte hierbei drei Referate ein, welche auf positive Resonanz stiessen. Matthias Haupenthal, Leiter Technologie, zeigte auf, wie wichtig es ist, eine klar trennbare Systemarchitektur zu bauen und erinnerte bSI eindringlich daran, dass insbesondere in einer sich immer schneller verändernden Systemumgebung eine eindeutige Strategie in der technologischen Umsetzung unerlässlich ist. Zusammen mit dem Projektleiter Entwicklung Marcel Chour konnte dann vorgeführt werden, wie in Zukunft Regelsätze unter Zuhilfenahme von Machine Learning und Künstlicher Intelligenz gebildet werden können. Dies wird weiter an Relevanz gewinnen, weil die jeweiligen Nationen ihre eigenen Klassifizierungssysteme (in der Schweiz eBKP-H sowie eBKP-T) verwenden wollen, und dies auch sollen. In einem weiteren Fachreferat demonstrierte der Projektleiter Entwicklung Stefan Reiser eine Prototypenapplikation, in welcher Produktdaten gemäss CRB-Gliederungen plattform- und softwareunabhängig verwaltet und angereichert werden können. Alle CRB-Beiträge folgten dem Votum eines französischen Unternehmers, welcher zu Recht mahnte: «We are not creating games, we are building real assets for real people!» CRB hat deutlich gemacht, wie praxisnah und anwenderorientiert Lösungen für das Bauwesen geschaffen werden.

Am letzten Tag des Kongresses konnten dann die Erfolge gefeiert werden: Das «Common Schema», IfcRail und  IfcRoad befindet sich auf dem besten Weg zur Harmonisierung und die Standards IfcBridge, IfcRail und IfcRoad stehen als sogenannte «Candidate Standards» unmittelbar vor der Vernehmlassung und Veröffentlichung. Neben all den kleinen Erkenntnissen kann festgehalten werden, dass sich die Schweiz mittlerweile in vielen Bereichen auf Augenhöhe mit anderen BIM-Nationen befindet. Dennoch – oder gerade deshalb – wird sich CRB auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die zukünftigen Schritte auf dem Weg der digitalen Transformation in Abstimmung mit internationalen Bestrebungen und vor allem gemeinsam gegangen werden.