Spezifikation von Bauprodukten

  

Damit der Experte die Leistung von Bauprodukten gegenüber der Spezifikation zuverlässig prüfen kann, ist eine gemeinsame technische Fachsprache notwendig. CRB engagiert sich dafür, die lokalen Standards mit internationalen Normen abzugleichen.

Text: Michel Bohren, Vorsitzender der Geschäftsleitung

Der freie Zugriff auf Informationen zu Bauprodukten ist im gesamten Lebenszyklus einer Baute von zentraler Bedeutung. Schon in frühen Phasen der Planung beginnen Bauherr und Architekt, mit ersten Spezifikationen den Kreis möglicher Produkte am und im Bau einzuschränken. Bereits die Definition des «Objekttyps» grenzt die Auswahl ein. So gelten in öffentlichen Gebäuden andere Brandschutzvorschriften als in privat genutzten Gebäuden, d.h. die Spezifikation «Objekttyp» schränkt die spätere Produktewahl schon sehr früh im Projekt ein. Durch weitere Anforderungen, z.B. in Bezug auf die Nachhaltigkeit, die Struktur oder die Art der Baute, wird die freie Wahl von Produkten noch mehr eingegrenzt.

Im Projektverlauf werden Spezifikationen immer präziser. Auch wenn sie ganze Systeme betreffen, wie z.B. eine Wand, zählt zu guter Letzt die «Performance» der einzelnen Komponenten dieses Systems, also das jeweilige Bauprodukt. Bei der Wand wären dies dann der Backstein, das Isolationsmaterial, die Gipsplatte und der Putz. Spätestens der Experte beim ausführenden Unternehmer wird aus der Spezifikation der Wand die geforderte Leistung der einzelnen Produkte ableiten.

Gemeinsame Fachsprache schafft Klarheit

Die Anbieter von Bauprodukten agieren international. Der Experte ist deshalb darauf angewiesen, dass es – wie Andreas Bossenmayer formuliert – eine «… gemeinsame technische Fachsprache» gibt, «die für eine Harmonisierung der Methoden und Verfahren zur Bestimmung und Bewertung der Leistungen von Bauprodukten sorgt». Anders wird es ihm nicht möglich sein, die «Performance» von Produkten gegenüber der Spezifikation zuverlässig zu prüfen. Wenn es hier Unklarheiten gibt, könnte ihm der Zugriff auf qualitativ hochwertige Produkte zu interessanten Konditionen verwehrt sein, oder er wählt Produkte, die nur vermeintlich die verlangte Leistung erbringen. Spätestens bezüglich sicherheitsrelevanter Spezifikationen – wie beispielsweise bei den oben erwähnten Brandschutzvorschriften – werden aus Unklarheiten sehr schnell Risiken.

Transparenz und Verlässlichkeit

Auch wenn also die juristische und regulatorische Grosswetterlage auf europäischer Ebene im Tagesgeschäft von Schweizer Baufachleuten nicht direkt spürbar ist, spielt sie eben doch eine nicht unbedeutende Rolle. Wo das bei lokalen Herstellern von Bauprodukten noch offensichtlich ist, erschliesst sich dies bei Bauherren, Betreibern, Architekten und ausführenden Unternehmern erst aufgrund obiger Überlegungen. Gerade in der Schweiz mit den sehr fragmentierten KMU-Strukturen müssen Prozesse, Verfahren und Methoden durch Regulierung und Harmonisierung schlank und effizient sein. Unternehmen müssen sich schnell und gut zurechtfinden, und sie müssen sich jederzeit darauf verlassen können, dass drin ist, was draufsteht.

Im Zuge der Digitalisierung des Bauwesens besteht nun die Chance, Qualität und Effizienz der Prozesse im Alltag zu erhöhen. Wenn Produktspezifikationen mit den darunter liegenden Methoden international harmonisiert sind und in standardisierten Datenstrukturen publiziert werden, sind sie für Experten zuverlässig und verifizierbar. Und wenn die Experten ihrerseits ihre Spezifikationen in Planung, Projektierung, Erstellung oder Betrieb über dieselben standardisierten Datenstrukturen festhalten, kann der Prozess des Abgleichs der Spezifikationen weitestgehend automatisiert werden. Die Anzahl möglicher Produkte auf eine Spezifikation im Planungs- oder Bauprozess kann systemgestützt massiv reduziert werden. Über den Zusammenzug vieler (Hersteller-)Produktpublikationen in einer «Wolke» können gleichzeitig – wieder systemgestützt – überraschende Alternativen zur Experten-Spezifikation gefunden werden. Damit erhält der Experte eine echte Wahl.

BIM-Profil-Server

Als Schweizer Standardisierer stellt CRB ab 2021 eine Plattform zur Verfügung, die solche standardisierten Datenstrukturen für Bauexperten bereitstellt. Diese Plattform bietet auch bei der Definition und beim Management der «Exchange Information Requirements» Unterstützung und kann die projektspezifischen (standardisierten) Strukturen Drittsystemen bereitstellen. Ab 2021 wird es damit möglich sein, Experten-Spezifikationen in Bauprojekten systemunabhängig auf Standard-Strukturen zu erarbeiten und zu nutzen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Bauprodukte-Plattform

Bei CRB besteht mit den Produkteinträgen PRD in den NPK-Texten die einzigartige Möglichkeit, Informationen zu Produkten einer grossen Anzahl von Herstellern direkt bei der Anwendung des Normpositionen-Katalogs NPK aufzurufen und einfach ins Leistungsverzeichnis zu übernehmen. Zudem können die Informationen der Hersteller – Produktbeschreibungen, Musterleistungsverzeichnisse, Bilder, Pläne usw. – auch über die CRB-Produktdatenbank prd.crb.ch aufgerufen werden. Diese Datenbank wird momentan so weiterentwickelt, dass sie künftig zusätzlich zur bestehenden Funktionalität auch gewährleistet, dass sie dieselbe Datenstruktur einsetzt, die Bauexperten für die Spezifikation nutzen. Diese Struktur und ebenso die Verknüpfung von Produktdatenbanken zu den Spezifikationen der Experten wird im Sinne von «openBIM» Drittanbietern zugänglich sein.

Verständigung im Bauwesen

Mit den Anstrengungen von CRB, die lokalen Standards alle auf internationalen Normen, Standards und Harmonisierungen aufzubauen, schliesst sich der Kreis. In der Art der «Muotathaler Wetterschmöcker» beobachten wir die juristische und regulatorische europäische Grosswetterlage sehr genau, um den Schweizer KMU schnell Standards anzubieten, die auch von «Global Playern» interpretiert werden können und die umgekehrt «Local Playern» den einfachen Zugang zu internationalen Informationen garantieren. Damit vereinfacht CRB die Verständigung im Bauwesen und fördert das Vertrauen und die Integrität der involvierten Unternehmen.

Im Auftrag von bauenschweiz arbeitet CRB in der Eidgenössischen Bauproduktekommission (BauPK) mit und engagiert sich auch in dem von Andreas Bossenmayer erwähnten Spiegelgremium zum Acquis-Prozess. Hier «schmöcken» wir einerseits, was international in Bewegung ist und wie wir das lokal bereits antizipieren können. Andererseits bringen wir unser Know-how in der Standardisierung und Digitalisierung mit ein, womit wir wiederum die europäischen Behörden indirekt beeinflussen können.

Michel Bohren
Vorsitzender der CRB-Geschäftsleitung