CRB als Bindeglied zwischen allen am Bauprozess Beteiligten

Hans Wicki, Ständerat und Präsident von bauenschweiz

Er hat gerne «echte Herausforderungen». Mit welchen sich die Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft auseinandersetzt und wozu CRB einen wichtigen Beitrag leisten kann, erläutert er im Gespräch. 

Hans Wicki, seit 2015 als Vertreter des Kantons Nidwalden im Ständerat, von 2010 bis 2016 in der Funktion als Baudirektor Mitglied des Nidwaldner Regierungsrats, vorher Geschäftsführer der PFISTERER-Gesellschaften in der Schweiz und in Südafrika. Seit 2016 ist er Präsident von bauenschweiz, der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft. 

Vor drei Jahren wurden Sie zum Präsidenten von bauenschweiz gewählt. Warum engagieren Sie sich für diese Organisation?
Als Regierungsrat des Kantons Nidwalden stand ich als Baudirektor in engem Kontakt zur Baubranche und habe ihre Anliegen kennengelernt. Kurz nach meiner Wahl in den Ständerat wurde das Präsidium von bauenschweiz – es ist zwingend mit einer parlamentarischen Tätigkeit verknüpft – frei, und ich wurde angefragt. Da dieses Amt eine gute Ergänzung zum vorherigen darstellte und mich die Aufgabe reizte, den spannenden Changeprozess der Branche zu begleiten, habe ich zugesagt. 

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft?
Nachdem es in den letzten zehn Jahren eine Phase der Hochkonjunktur gab, muss jetzt mit einer Abkühlung gerechnet werden. Die Betriebe, die es nicht geschafft haben, ihre Prozesse umzustellen und ihre Struktur zu bereinigen, stehen jetzt vor grösseren Problemen. Eine weitere Herausforderung ist die fortschreitende Digitalisierung, sie wirkt sich auf den Menschen und die Herstellung eines Bauwerks aus. Weiter lässt sich feststellen, dass das politische Gehör für die Bauwirtschaft in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hat. Im Nationalrat und im Ständerat sitzen heute nur noch wenige Baumeister und Unternehmer. Ich fühle mich hier als Unternehmer und setze mich dafür ein, dass die Anliegen der Bauwirtschaft gehört werden und sich wieder besser durchsetzen lassen. 

Was würden Sie als grösste Herausforderungen der Branche bezeichnen?
Eine wichtige Aufgabe ist die Compliance: Man muss dafür sorgen, dass die Glaubwürdigkeit der Branche und das Vertrauen in sie bei der Bevölkerung wieder wachsen. Auch der akute Fachkräftemangel stellt eine grosse Herausforderung dar, insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung, ebenso die bereits erwähnte konjunkturelle Abschwächung. Sie wird sich vor allem auf mittelgrosse Firmen auswirken. Aber es gibt auch grosse Chancen, z.B. im öffentlichen Bausektor: hier gibt es in den nächsten Jahren enorm viele Aufträge. 

Welche Themen stehen bei bauenschweiz derzeit im Fokus?
Als Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft setzt sich bauenschweiz dafür ein, dass die Baubranche weniger Regulierungen oder – anders ausgedrückt – mehr unternehmerische Freiheiten hat. Dies setzt voraus, dass man die Gesetze kennt, dass man Vorstösse macht oder Anpassungsvorschläge einbringt. Damit diese Erfolg haben, braucht es die Unterstützung der Verwaltung. Dazu pflegt unsere Geschäftsstelle mit der Bundesverwaltung gute Beziehungen. Dieser Teil läuft bereits ganz gut. 
Wenn die Vorlagen dann ins Parlament kommen, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Vorschläge enthalten bleiben. Das läuft noch nicht so gut; man kennt bauenschweiz als Dachorganisation noch zu wenig. Deshalb ist unser Hauptfokus, bauenschweiz bekannter zu machen, Verwaltung und Parlament davon zu überzeugen, dass wir für alle Berufs- und Fachverbände der Bauwirtschaft stehen, dass wir ein grosser, verlässlicher Partner sind. Nur dann haben wir das nötige Gewicht. Das Gleiche gilt für die Medien: Auch sie müssen wissen, dass sie sich bei Fragen zum Bauwesen bei uns melden können. 

Und was unternimmt bauenschweiz, um stärker wahrgenommen zu werden?
Wir verstärken die Öffentlichkeitsarbeit, wir kommunizieren mehr und setzen uns dafür ein, dass die Bevölkerung die Baubranche als seriöse Branche wahrnimmt.

Was können Sie in Ihrer Funktion als Ständerat dazu beitragen?
Meine Aufgabe als Ständerat ist es, im Parlament, im Bundesrat und in den Kantonsregierungen entsprechend zu lobbyieren. Ziel ist es, das Netzwerk zu vergrössern, die Beziehung zum Bundesrat zu verbessern und bauenschweiz durch Überzeugungsarbeit bekannter zu machen. 

CRB setzt sich seit 60 Jahren für die Verständigung und Rationalisierung im Bauwesen ein. Wie beurteilen Sie die Bedeutung von Standards in Zeiten der Digitalisierung? 
Standardisierung ist die Grundvoraussetzung für den Erfolg der Baubranche: Sie bildet die Basis für die Umsetzung der Digitalisierung. Diese führt zu Prozessoptimierungen und – wenn die Qualität gehalten wird – zu Gewinn, was wiederum zwingend notwendig für Innovation ist. CRB hat daher eine grosse Bedeutung.

Bei bauenschweiz gehört CRB der Stammgruppe Planung an. Welche zentralen Themen werden dort gerade behandelt?
Diese Stammgruppe ist im Zusammenhang mit der Digitalisierung enorm gefordert. Sie setzt sich damit auseinander, wie die Digitalisierung umgesetzt werden kann, welche Standards es dazu braucht und wie diese in die Prozesse integriert werden können. 

Welche Rolle kommt CRB Ihrer Meinung nach im Zusammenhang mit der digitalen Transformation zu?
CRB hat die Aufgabe, den Planern die Integration in die digitalisierte Welt zu erleichtern, sie dabei zu unterstützen, dass sie ihr Fachwissen einbringen können und ihre Position im digitalisierten Bauprozess wieder finden.

Welche Anliegen haben Sie seitens bauenschweiz an CRB, das ja als Herausgeber von Standards gewissermassen auch eine Querschnittsfunktion in der Bauwirtschaft ausübt?
Die Planer müssen begreifen, dass Bauen heute den gesamten Prozess von der Erstellung über die Nutzung bis zum Unterhalt und zur Erneuerung umfasst. CRB kann hier Bindeglied sein zwischen allen an diesem Prozess Beteiligten und ein durchgängiges System zur Verfügung stellen, das von der Planung bis zum Abbruch alles abdeckt. Das klingt einfach, die Umsetzung ist aber sehr schwierig. Sie setzt die Zusammenarbeit aller Beteiligten voraus: einer hat das Lead, die anderen unterstützen. Und genau darin liegt die grosse Herausforderung für CRB, aber das Gleiche gilt auch für bauenschweiz: die anderen davon zu überzeugen, dass man gemeinsam mehr erreicht, dass es besser ist, wenn einer für alle redet. Dazu muss man Vertrauen schaffen und Erfolg ausweisen können. Unsere Strategie ist es, in Pilotprojekten kleine Ziele zu setzen und das Erreichte hervorzuheben. 

bauenschweiz.ch