eBKP-Gate in der Praxis

   

Ein Klassifikationssystem für alle kostenrelevanten Aspekte

Martin Beth, Abteilungsleiter BIM2Field bei cadwork informatik AG, Basel. In den Pilotprojekten hat er die Aufgabe, den Transformationsprozess von der Ausschreibung bis zur Abrechnung auf BIM-Niveau softwareseitig zu unterstützen. 

Welchen Nutzen bzw. welche Vorteile bietet das eBKP-Gate für die Kostenermittlung? 
Bei der Entwicklung des eBKP-Gate wurden die Teilelemente und Komponenten nach der 80/20-Regel anhand der wesentlichen beschreibenden NPK-Leistungspositionen definiert. Die Existenz eines Klassifikationssystems für alle kostenrelevanten Aspekte eines Projekts über den gesamten Lebenszyklus hinweg – angefangen bei der Projektentwicklung bis hin zu Betrieb und Unterhalt – ist dabei ein äusserst grosser Vorteil. Die Kostenkennwerte haben neu keine Systemgrenzen mehr zwischen der Kostenplanung und der Ausführung, das heisst, die verwendeten Kostenkennwerte können vom Groben zum Feinen immer weiter detailliert und präzisiert werden. Damit ist eine durchgängige, transparente Kostenplanung und -kontrolle über alle Bauphasen hinweg möglich.

Welche Erfahrung haben Sie damit in der Praxis gemacht? 
Die ersten Erfahrungen und Erkenntnisse waren sehr positiv, und wir haben bemerkt, dass sich das eBKP-Gate nicht nur für die Kostenermittlung bestens eignet, sondern dass es auch eine hervorragende Informationsquelle für modellbasierte Angebote, für das Ausmass und für die Abrechnung ist.

Wie sollte das eBKP-Gate im Rahmen der Digitalisierung weiterentwickelt werden?
Es sollte so weiterentwickelt werden, dass zukünftig modellbasierte Kostenermittlungen möglich werden, damit das Gate auch für Unternehmer-Offerten eingesetzt werden kann und letztendlich auch für das Ausmass und die Abrechnung dient. Hierdurch könnte der Kreis der Kostenplanung und -kontrolle vom eBKP über das eBKP-Gate hin zum NPK mit einem einzigen Klassifikationssystem geschlossen werden.

Welche Herausforderungen stellen sich hier aus Ihrer Sicht?
In einem digitalen Modell verschmelzen die klassischen Grundlagen, wie beispielsweise Pläne und die Baubeschreibung sowie weitere Informationen eines Bauprojekts, in einem Modell. Beim Arbeiten mit einem Modell sind daher sehr viele geometrische Informationen bereits vorhanden, die im eBKP-Gate in der Teilelement- und Komponentenbezeichnung nicht mehr benötigt werden. Eine sehr grosse Herausforderung wird es daher sein, das eBKP-Gate so aufzubereiten, dass die jeweils benötigten Informationen im richtigen Detaillierungsgrad für den jeweiligen Anwendungsfall geeignet zur Verfügung gestellt werden.

Die Gliederung nach Bauteilen erleichtert die Kostenermittlung

Franziska Forter, Studentin, hat sich im Rahmen einer Projektarbeit im Bachelorstudiengang Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Rapperswil mit dem eBKP-Gate beschäftigt.

Bei welchem Projekt haben Sie das eBKP-Gate eingesetzt? 
Ich habe eine modellbasierte Kostenermittlung des Projekts Neubau Brücke über den Unterwasserkanal in Dietikon erstellt. Dies war eine nachträgliche Bearbeitung des Projekts. Die Brücke wurde bereits 2013 fertiggestellt.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem eBKP-Gate in der Praxis gemacht? 
Ich habe gerne damit gearbeitet. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich zurechtgefunden habe. Die Gliederung nach Bauteilen – und nicht nach Leistung wie im NPK – ist für mich einfacher, ebenso die Kontrolle, ob alle Positionen vorhanden sind.

Worin lag für Sie die grösste Herausforderung? 
Im NPK werden die Leistungen zusammengenommen. Für das eBKP-Gate müssen diese wieder getrennt werden, was je nach Detailliertheit viel Aufwand mit sich bringen kann.

In dieser Systematik steckt noch einiges an Potenzial

Markus Maag, Bauökonom MAS, Verkaufsleiter und Mitglied der GL bei der Messerli Informatik AG, hat einige Kunden über die Anwendung des eBKP-Gate in der Praxis befragt:

  • Patrick Brunschwiler,  Mitglied der Spartenleitung Tiefbau, Leiter Tiefbau St. Gallen bei der Wälli AG Ingenieure 
  • Andreas Kerwer, Baukostenplaner, Feldmann Projekte, Muri 
  • Mirjana Kokic, Projektleiterin/Kostenplanerin, b+p baurealisation ag, Zürich 
  • Reto Zweili, Geschäftsführer, Projekt- und Bauleiter, Zweili InfraPlan AG, Stans

Wie setzen Sie das eBKP-Gate für die Kostenermittlung ein? 
Patrick Brunschwiler: In unserem Ingenieurunternehmen haben wir das eBKP-Gate neu im Einsatz. Beim ersten Pilotprojekt handelt es sich um einen Gewerbeneubau, der sich in der Ausführungsplanung befindet. Bei diesem Projekt haben wir für die Gewerke Kanalisation und Strassenbau die CAD-Daten in ein BIM-Modell überführt und anhand dieses Modells die Schnittstelle zum eBKP-Gate getestet. 

Mit einem zweiten Pilotprojekt testen wir nun die Praxistauglichkeit der Struktur des eBKP-T sowie des Gate für die Kostenermittlung. Das Projekt beinhaltet eine Neuerschliessung eines Wohngebiets, das sich in der Phase Vorprojekt befindet. 

Reto Zweili: Wir hatten das Glück, als junges Unternehmen gleich von Anfang an mit dem eBKP-Gate zu starten. Das erste Projekt mit dem eBKP-Gate war eine Quartierkanalisations-Erneuerung, bei welcher wir die Ausschreibung nach NPK direkt ab Kostenermittlung gemacht haben.

Welche Vorteile bietet dieser Standard aus Ihrer Sicht? 
Patrick Brunschwiler: Wir erhoffen uns eine Effizienzsteigerung bei der Kostenermittlung in frühen Projektphasen, also insbesondere für Studien, Vorprojekte und längerfristig auch für die Bauprojekte. Durch die Struktur der bauteilbezogenen Kostenermittlung können aufgrund von relativ wenigen Bezugsgrössen rasch die Gesamtkosten ermittelt werden. Dies ist insbesondere in frühen Projektphasen, in denen sich die Projekte immer noch weiterentwickeln, von Vorteil. 

Andreas Kerwer: Die Vorstellung, dass künftig eine Kostenermittlung direkt aus dem Modell erstellt und allenfalls bereits eine Ausschreibung nach NPK vorbereitet werden kann, klingt überzeugend. Diese Durchgängigkeit und die einheitliche Verständigung machen durchaus Sinn. 

Mirjana Kokic: Da wir seit Jahren mit dem eBKP-H arbeiten, ist es eine logische Folgerung, auch das eBKP-Gate einzusetzen. Damit können künftig noch detailliertere Kostenschätzungen erstellt werden. Wenn der NPK künftig die entsprechenden Informationen hat, wäre sogar eine Ausschreibung ab Modell denkbar. 

Reto Zweili: Wir können auf der Ebene Komponenten ganze Rezepturen von NPK-Positionen zusammenstellen, was uns eine Kostenermittlung und Ausschreibung in einem Arbeitsgang ermöglicht.

Welche Erfahrung haben Sie mit dem eBKP-Gate bei der praktischen Anwendung gemacht? 
Patrick Brunschwiler: Wir stecken derzeit noch mitten in den Pilotprojekten und können noch keine abschliessenden Aussagen dazu machen. Zu Beginn der Bearbeitung wurde aber bereits klar, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Anwendungen CAD-/BIM-Software, eBKP-T-Gate und Bauadministration eine Herausforderung ist. Schwierigkeiten bestehen z.B. noch bei der Abbildung von Kosten, die nicht eindeutig einem Bauteil zugeordnet werden können. Dies betrifft hauptsächlich Arbeitsschritte bzw. Aufwendungen, die durch den Bauablauf oder die Baustellenlogistik entstehen.

Wie soll das eBKP-Gate im Rahmen der Digitalisierung weiterentwickelt werden und welche Herausforderungen stellen sich? 
Patrick Brunschwiler: Für uns als Ingenieurunternehmung steht die Anwendung für die Kostenermittlung im Vordergrund. Dies bedeutet, dass die Struktur des eBKP-T wie auch des Gate die verschiedenen Projektphasen mit den damit vorhandenen Projektkenntnissen abbilden und diese auch dem BIM-Modell entsprechen muss. 
Als Beispiel ist in der Studienphase für einen Kanal nur bekannt, dass von A nach B eine Leitung gebaut wird. In der Phase Vorprojekt kennt man zusätzlich die ungefähre Dimension sowie die Tiefenlage der Leitung, und in der Phase Bauprojekt sind zusätzlich noch Rohrmaterial und Verlegeprofil bekannt. Dementsprechend sollten die Systematik des eBKP sowie die Teilelemente und Komponenten des Gate definiert und im BIM-Modell einfach zugeordnet werden können. 

Reto Zweili: Die Richtung stimmt meines Erachtens. Die Entwicklung des eBKP muss unbedingt zusammen mit den CAD-Anbietern erfolgen. Im Tiefbau ist die modellbasierte CAD-Anwendung noch nicht an der Tagesordnung. Da muss noch einiges an Wissen aufgebaut werden.