Vielfältige Möglichkeiten für den Einsatz von Betonelementen

  

Mit dem vollständig überarbeiteten NPK 315 können die Anwender ab Januar 2021 vorgefertigte Elemente aus Beton und künstlichen Steinen entsprechend dem aktuellen Stand der Technik in normkonformen Positionen beschreiben. Das Begleitgruppenmitglied Gerhard Enderle fasst die wichtigsten Änderungen zusammen.  
Interview: Gaby Jefferies

Warum war es notwendig, den NPK 315 zu überarbeiten?
Da seit der letzten Überarbeitung des Kapitels im Jahr 2012 das Bauproduktegesetz in Kraft getreten ist, gelten für Betonfertigteile neu die europäischen Produktenormen (SN EN 13369 «Allgemeine Regeln für Betonfertigteile») sowie diverse weitere Produktenormen. Zudem wurden in der Zwischenzeit die Vertragsnormen SIA 118/262 und SIA 118/266 sowie die Betonnorm SN EN 206 «Beton – Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität» revidiert.

Was sind die wichtigsten Neuerungen des Kapitels?
Strukturell war der NPK 315 «Vorgefertigte Elemente aus Beton und künstlichen Steinen» auf einem guten Stand. Inhaltlich stand die Anpassung an die neue Gesetzgebung und die aktuellen Normen im Vordergrund.

Die bisher vorhandenen Positionen zur Beschreibung von Leichtbeton wurden entfernt. Dieser kann unter Angabe der Rohdichte als Normalbeton beschrieben werden. Verschiedene Positionen wurden gestrafft bzw. zusammengefasst, teilweise wurden zusätzliche Variablen ergänzt, z.B. für die Anforderungen in Bezug auf die Statik. Thematisch wurden Positionen zum ökologischen Bauen sowie zum Schall- und Brandschutz ergänzt. Die aktualisierten Normpositionen führen den Ausschreibenden durch die einzelnen Abschnitte und dienen ihm als Checkliste – sie bilden die vielfältigen Möglichkeiten für den Einsatz von Betonelementen und künstlichen Steinen besser ab.

Welche Herausforderungen gab es bei der Überarbeitung?
Die grösste Herausforderung bestand darin, den Gedankengang der Planer und der Ausschreibenden zu fassen und mit den Sichtweisen der Hersteller und Baumeister zu koordinieren, und zwar so, dass sauber ausformulierte und verständliche Normpositionen entstehen. Häufig waren die Vertreter der Hersteller mit der Auslegung der 80/20-Regel der Planer nicht ganz einverstanden. Schlussendlich wurde jedoch immer ein Konsens gefunden. Festzuhalten ist aber, dass die Qualität der Leistungsbeschreibungen stark vom Fachwissen der Ersteller abhängig ist. Leider wird immer wieder vergessen, dass die Betonbauteile nach Plan angefertigte Unikate sind und im Werk einem gesamtheitlichen Prozess unterliegen. Es sind nicht fertige Produkte, sondern sie entstehen wie Rohbauten. Auch hier sind die Baustoffe, Bemessungen, Schalungen, Schalungstypen, Bewehrungen, Einbauteile, Oberflächengestaltung, Ansprüche der Planer, Transport und Montage zu beachten und im Leistungsverzeichnis entsprechend zu beschreiben.

Wer war beteiligt?
Der Begleitgruppe gehörten Fachleute der Bereiche Planung – Architekten, Ausschreibende, Ingenieure – und Industrie an. Sie vertraten den Baumeisterverband, den Fachverband für Schweizer Betonprodukte SwissBeton sowie Lösungsanbieter im Bereich Baustoffe (Xella). Diese Zusammenarbeit war spannend und öffnete den Blick für die unterschiedlichen Sichtweisen. Durch den aktiven Austausch an den Sitzungen haben wir eine für alle Seiten gute Basis erarbeitet, die die hohe Qualität des neuen Kapitels sicherstellt.

Wie war das Feedback aus der Vernehmlassung?
Die meisten Rückmeldungen kamen vom CRB-Sprachdienst und bezogen sich auf die Formulierung. Ansonsten blieben Rückmeldungen weitgehend aus. Ich interpretiere dies so, dass es uns gelungen  ist, das Kapitel auf einen sehr guten Stand zu bringen. Unser Ziel war es, den Planern die heutigen Möglichkeiten der Bauwerke aus vorfabrizierten Elementen aufzuzeigen, ohne sie in ihrer Kreativität einzuschränken.

Was sollte der Anwender des neuen Kapitels beachten?
Der neue NPK 315 deckt viele Anwendungen im Bereich Fertigteilbau ab. Die zahlreichen produktspezifischen Oberflächenbearbeitungen sollten nun eigentlich keine Wünsche mehr offenlassen. Spezielle Betonsorten, Materialien und Sichtansprüche können genau definiert werden. Dabei sollte klar sein, dass besondere Wünsche einen zusätzlichen Aufwand mit sich bringen und sich dies auch in den Kosten niederschlägt.

Was nehmen Sie aus Ihrer Mitarbeit in der Begleitgruppe mit?
Die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Berufsgruppen hat von allen eine grosse Flexibilität gefordert. Da ich einige Jahre in einem Ingenieurbüro für Hoch- und Tiefbau gearbeitet habe, waren mir die Unterschiede eigentlich bekannt. Dennoch war ich immer wieder überrascht über die differenzierten Betrachtungsweisen – nicht nur zwischen Planern, Ausschreibenden und Herstellern, sondern auch die verschiedenen regionalen Bedürfnisse. Die aktive Mitarbeit, der Einsatz und die Begeisterung aller für ihr jeweiliges Fachgebiet haben mich beeindruckt – meine Sichtweise und mein Horizont wurden erweitert.

Gerhard Enderle, dipl. Bauingenieur HTL, Leiter Technik bei der zur MÜLLER-STEINAG Gruppe gehörenden CREABETON BAUSTOFF AG. Zudem gehört er der Normenkommission SIA 262 «Vorfabrikation» an und engagierte sich als Begleitgruppenmitglied bei der Überarbeitung des NPK 315.