Grundlage für die Zusammenarbeit

Mit den Normpositionen des NPK lassen sich Bauleistungen einheitlich und eindeutig beschreiben. Dies wird auch mit dem NPK BIM weiterhin möglich sein, aber er wird noch mehr können. Nachfolgend sind die Antworten auf die wichtigsten Anwenderfragen rund um die Weiterentwicklung zusammengestellt. 

Text: Stefan Reiser, Projektleiter Produktion 

Der Normpositionen-Katalog NPK ist in einer Zeit entstanden, in der sich das Bauen grundlegend verändert hat. In einem Interview hält Franz Füeg, ein Wegbereiter der Standardisierung und Gründungsmitglied von CRB, über die 60er-Jahre fest: «Als ich anfing mit dem Bauen, schaufelten zuweilen noch Männer mit einem Hut auf dem Kopf neben einem kleinen Betonmischer Aushub aus dem Erdreich. Daneben stand ein Pferdefuhrwerk, bereit für den Transport. Plötzlich aber fuhren Betonmischer auf den Strassen, und es standen Caterpillar und andere Baugeräte aus dem Krieg, die die Amerikaner nun verkauften, auf den Baustellen. […] Vor allem der Wohnungsbauboom war gewaltig. Nicht in dem Mass wie heute, aber für damals mit einer ungemeinen Dynamik: Die Veränderungen geschahen rasch und waren drastisch.» (NZZ vom 31.10.2019) Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurde nach Rationalisierungsmöglichkeiten gesucht. Normierte Textbausteine waren das Ergebnis.

Nicht ganz so rasch und drastisch, aber ebenfalls einschneidend sind die Veränderungen, welche die Bauwirtschaft momentan erfährt. Digitale Planungsmethoden bieten neue Möglichkeiten, die Effizienz zu steigern, das «Wie» beim Bauen noch zu verbessern. Mit diesem «Wie» befasst sich der NPK. Und die Veränderungen der Branche schlagen sich auch hier nieder. Mit dem NPK BIM entwickelt CRB einen Standard, welcher die Funktionalität des NPK so erweitert, dass Baufachleute mit möglichst wenig Informationsverlust und ohne Medienbrüche Leistungen beschreiben und offerieren können. In den letzten Monaten wurden viele Gespräche hierzu geführt, Referate gehalten und Informationen verarbeitet. Dabei tauchten immer wieder berechtigte Fragen auf. Nachfolgend werden die häufigsten Fragen rund um die Weiterentwicklung des NPK beantwortet.  

Was ist das Ziel des NPK BIM?
Mit dem NPK BIM wird es möglich, Informationen, die in einem digitalen Bauwerksmodell erarbeitet wurden, auch für die Ausschreibung zu nutzen. Damit können Redundanzen und Leerläufe vermieden werden: Die Ausschreibenden kommen effektiver zu einem rechtssicheren, objektiven und verlässlichen Leistungsverzeichnis, erhalten qualitativ hochwertige Unterlagen für ihre Offertstellung, und sie können die Vollständigkeit des beschriebenen Bauwerks (oder von Teilen davon) prüfen, ohne in den Bauwerksmodellen sämtliche Komponenten modellieren zu müssen. Diese nicht modellierten Bauteile (z.B. Sockelleisten, Befestigungen, Mörtelüberzüge usw.) oder nur mit hohem Aufwand modellierbaren, aber kalkulatorisch entscheidenden Positionen (z.B. Neben- und Zusatzarbeiten, Mehrleistungen, temporäre Einrichtungen usw.) sind für die Ausschreibung wichtig und sollen auch in Zukunft zu einem verlässlichen, vergleichbaren und rechtssicheren Leistungsverzeichnis führen.

Was geschieht mit dem bewährten NPK?
Der NPK spielt in der Ausschreibung weiterhin eine wichtige Rolle: er unterstützt die Verständigung zwischen Planer und Unternehmer und bildet die Grundlage für den Austausch ihrer Informationen. Oftmals wird von analogen und digitalen Paradigmen gesprochen, wenn die aktuelle Transformation in der Bauwirtschaft beschrieben wird. Auf der einen Seite stehen die «Konventionellen», auf der anderen die «Progressiven». Die Realität zeigt jedoch, dass diese zwei Denkweisen nicht isoliert voneinander bestehen, sondern sich vielmehr wie ein Kontinuum verhalten. Der Grundleistungsauftrag von CRB besteht darin, die Verständigung sämtlicher Akteure im Bauwesen zu unterstützen. Dies bedeutet, dass auch in Zukunft Projekte in etablierter Weise geplant und realisiert werden können. Mit dem NPK BIM erweitert CRB die Funktionalität und die Anwendung des Informationsgehalts des NPK, ohne auf Bewährtes zu verzichten, oder kurz gesagt: Der NPK als De-facto-Standard für die Leistungsbeschreibung wird auch in Zukunft gepflegt und weiterentwickelt. 

Kann mit dem NPK BIM quasi «auf Knopfdruck» ausgeschrieben werden?
Die Erstellung eines Leistungsverzeichnisses benötigt fundiertes Baufachwissen. Dieses kann, soll und wird nicht durch Standards ersetzt werden. Auch wenn es mit dem NPK BIM möglich sein wird, Informationen aus dem Modell in ein Leistungsverzeichnis zu übernehmen, ist auch weiterhin eine kognitive Leistung notwendig, um ein Leistungsverzeichnis zu erstellen und zu bearbeiten. Nicht zuletzt gehören zu einem Leistungsverzeichnis (aber auch zu einer gesamthaften Ausschreibung) weit mehr Informationen als «nur» die Attribute eines Bauteils. Diese Komponenten lassen sich in einem Modell nicht abbilden. Dennoch sollen natürlich möglichst viele Informationen automatisiert in ein Leistungsverzeichnis übernommen werden können.

 

Was ist der Unterschied zwischen NPK und NPK BIM? 
Im Unterschied zum jetzigen NPK werden mit dem NPK BIM die Informationen, die für die Erstellung und Bearbeitung von Leistungsverzeichnissen benötigt werden, in stark strukturierter Form zur Verfügung gestellt. So werden beispielsweise die Unterpositionen, die heute als «Text» vorliegen, in Attribute, Werte und entsprechende Einheiten zerlegt. Diese Form der Information hat den Vorteil, dass die Informationen, die bereits in den Phasen vor der Ausschreibung generiert wurden (z.B. im Rahmen der Planung mit digitalen Bauwerksmodellen), in einheitlicher Form verarbeitet werden können. 

Die so bereits geleistete Arbeit wird in einem möglichst hohen Automatisierungsgrad in die Fertigstellung des Leistungsverzeichnisses übernommen. Da somit sowohl eine gewerke- als auch eine bauteilorientierte Klassifizierung nach eBKP-H bzw. eBKP-T berücksichtigt wird, können abgerechnete Projekte auch wieder in bauteilorientierte Kennzahlen überführt werden. Der Informationsgehalt des NPK und des NPK BIM unterscheidet sich allerdings nicht. Auch der NPK BIM wird qualitativ hochwertige Inhalte für die Ausschreibung bereitstellen.

Können mit dem NPK BIM auch Arbeiten ausgeschrieben werden, wenn es kein Modell gibt?
Grundsätzlich ist ein solches Vorgehen denkbar. Das Modell ist eine grafische, leicht verständliche Repräsentation der Informationen in einem Bauprojekt. Ob diese in tabellarischer Form, in einer Datenbank oder eben in einem Modell vorliegen, ist für die Arbeit mit dem NPK BIM nicht relevant. Es kann also durchaus sein, dass sich der NPK BIM auch ohne ein Modell für die Ausschreibung anbietet. Dieses Vorgehen macht insbesondere dann Sinn, wenn Umbauprojekte ausgeschrieben werden sollen, bei denen die Ausführung einzelner Teile (z.B. Vorwandsysteme, Armaturen und Wandbeschichtungen) beschrieben werden soll.

Können bestehende Ausschreibungen übernommen werden?
Die Veränderung in der Struktur bedeutet auch, dass Unterpositionen geteilt werden, die im Moment als «feststehende Form», d.h. als Textblock, Satz oder dgl., zur Verfügung stehen. Konkret heisst das, dass die Ausschreibungen neu aufgebaut werden müssen. Die Veränderung hat zur Folge, dass dieser Initialaufwand geleistet werden muss, wenn der Ausschreibende weiter mit seinen Vorlagen arbeiten will.

Weshalb braucht es überhaupt noch eine Ausschreibung in standardisierter Form?
Der NPK (und somit auch der sich in Entwicklung befindende NPK BIM) ist im internationalen Vergleich einzigartig. Er beinhaltet – mit ein paar wenigen Ausnahmen – das gesamte fachliche Know-how, das für die Beschreibung von Leistungen wichtig ist. Aufgrund der gemeinschaftlichen Erstellung der Inhalte durch Unternehmer, Planer und Hersteller/Lieferanten deckt der Standard die Bedürfnisse und Ansichten sämtlicher Beteiligten ab. Wenn BIM also nicht nur Technologie, sondern auch Methode bedeutet und unter Berücksichtigung der immer komplexer werdenden Bauwerke, bleiben standardisierte Formen der Verständigung wichtig, um Transparenz zu schaffen und Fehler zu vermeiden. Wie in einer Sprache Grammatik, Orthografie und Vokabular die Grundlage der Verständigung übernehmen, wird dieser Part im Bauwesen durch Standards erfüllt. Des Weiteren sind Bauteil- und Mengenauszüge eine unzureichende Form der Ausschreibung. Erst durch die ausführungs- bzw. gewerkeorientierte Anreicherung von Informationen können Verträge zwischen (juristischen) Personen geschlossen werden. Und das ist zentral, denn ein Bauteil oder ein Produkt werden auch in Zukunft keinen Werkvertrag unterzeichnen können.

In welcher Form und in welchen Anwendungen wird der NPK BIM zur Verfügung stehen?
Um die für die Erstellung eines Leistungsverzeichnisses benötigten Informationen bereits in frühen Planungsphasen erarbeiten zu können (und so den Aufwand in der Ausschreibung gering zu halten), werden die Attribute, die im NPK BIM verwendet werden, beispielsweise im «BIM-Profil-Server» (siehe FOKUS-Beitrag) zur Verfügung stehen. Auch weitere Lösungen von anderen Anbietern sind denkbar, aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkret. Für die Nutzung der Inhalte einzelner Kapitel werden voraussichtlich auch in Zukunft die Software-Anbieter eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig sind wir momentan auch dabei zu prüfen, in welcher Form der NPK BIM in anderen Autorensystemen (wie beispielsweise einer Modellierungssoftware) oder in ERP-Lösungen verwendet werden könnte. Auch die Bereitstellung der Inhalte in Printform wird für manche Anwender wünschenswert sein, und sie wird deshalb eingehend geprüft.

Werden andere Projektformen (z.B. IPD) unterstützt?
Durch die Potenziale der Digitalisierung werden – je nach Ziel und regulatorischen Vorgaben – Projektformen interessanter, die sich vom «klassischen» linearen Projektvorgehen lösen. So bietet beispielsweise IPD (Integrated Project Delivery) unbestritten eine Form der Kollaboration, durch welche Transparenz geschaffen und Unstimmigkeiten innerhalb des Projektteams vorgebeugt werden kann. Unbestritten ist aber auch, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb des Projekts eine Form der übereinstimmenden Willensäusserung bezüglich des Bauwerks und den hiermit verknüpften Leistungen erfolgen muss, damit ein Vertrag zwischen den Involvierten überhaupt zustande kommt. Wir sind überzeugt, dass der NPK BIM dabei unterstützt, im Werkvertrag einfach und transparent zu beschreiben, welche Werke in welcher Zeit, in welcher Qualität und mit welchen Kosten realisiert werden sollen.

Wie wird in Zukunft mit den Produkteinträgen PRD umgegangen?
Mit den Veränderungen, die mit dem NPK BIM einhergehen, werden wir auch die Produkteinträge so bereitstellen, dass sie auch in diesem digitalen Planungsprozess zielführend eingesetzt werden können. 

 

Wie sieht das Leistungsverzeichnis mit dem NPK BIM aus? 
Das Leistungsverzeichnis ist, wie das Modell, eine Form der Bereitstellung von Informationen. Deshalb ist die Form des Leistungsverzeichnisses nicht zwingend festgelegt. Die Abbildung macht deutlich, dass das mit dem NPK BIM erstellte Leistungsverzeichnis dem heutigen Leistungsverzeichnis in seiner Erscheinungsform sehr nahekommen wird. Das hat gleich mehrere Vorteile: Durch eine solche Darstellung findet sich der Anwender schnell zurecht. Gleichzeitig sind Leistungsverzeichnisse aber auch nach wie vor Bestandteil von Werkverträgen. Dies bedeutet auch, dass sie unterschrieben und sicher abgelegt werden, in vielen Fällen geschieht dies nach wie vor physisch. Dieses Format bietet sich auch an, um die Leistungsverzeichnisse auf der Baustelle zu verwenden – auch wenn papierlose Baustellen in Zukunft sicher weiter zunehmen werden, sind sie momentan noch eine Nischenerscheinung.

Wie weit ist die Entwicklung des NPK BIM?
Im Moment befinden sich insgesamt 57 Kapitel in Bearbeitung. Diese 57 Kapitel sind zu über 80% abgeschlossen. Das sieht auf den ersten Blick nach der Zielgeraden aus, es zeigt sich jedoch, dass die letzten 20 Prozent in der Bearbeitung die entscheidenden sind. Als Analogie hierzu kann das Bild eines Fussgängerstegs über einen Bach beigezogen werden. Wie der NPK BIM erhält er seine Funktion erst dann, wenn er zu annähernd 100% fertiggestellt ist, ansonsten werden die Füsse der Nutzer nass, und dies gilt es auf jeden Fall zu verhindern. Diese letzten Prozente sind vor allem deshalb herausfordernd, weil sie von den analysierenden Personen verlangen, sich mit der historischen Entwicklung der NPK-Kapitel, sozusagen mit deren Geschichte, auseinanderzusetzen und Ausnahmefälle so zu regeln, dass sie möglichst harmonisiert und auf andere Kapitel anwendbar in die neue Struktur überführt werden können.

Wann kann mit dem NPK BIM gearbeitet werden?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere aber davon, wie schnell wir die Inhalte bearbeiten können, wie die Qualitätssicherung voranschreitet, wie unsere Software-Partner die Strukturen implementieren und wie die Schnittstellen zu anderen Systemen sichergestellt werden können. Deshalb können wir hierzu noch keine allgemeingültige Antwort geben. Erste Attribute, die auch im Rahmen des NPK BIM verwendet werden können, werden wir auf dem «BIM-Profil-Server» für Testanwender im dritten Quartal dieses Jahres und für sämtliche Anwender im ersten Quartal des nächsten Jahres bereitstellen. 

Was kostet der NPK BIM?
Hierzu kann noch keine hundertprozentige Aussage getroffen werden. Da es sich beim NPK BIM um eine Funktionserweiterung des heutigen NPK handelt, kann davon ausgegangen werden, dass sich die laufenden Lizenzkosten in einem ähnlichen Rahmen wie heute bewegen.

 

Alles prima?
Nicht ganz. Die 189 momentan verwendeten NPK-Kapitel enthalten rund 1,3 Millionen Positionen mit bauteilrelevanten Informationen. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass in diesen Positionen jeweils drei beschreibende Informationen enthalten sind. Unter Berücksichtigung der Dreisprachigkeit ergeben sich daraus 11,7 Millionen Informationspunkte, die verarbeitet werden. Jede Information ist für eine fachlich korrekte Erstellung und Bearbeitung eines Leistungsverzeichnisses eminent wichtig. Ausserdem ist die Struktur des NPK in seiner heutigen Form organisch gewachsen. Diese Komponenten führen dazu, dass in die heutigen Resultate bereits viel Forschung eingeflossen ist und in den NPK BIM weiter einfliessen wird.

Informationen können durchgängig über den gesamten Bauprozess genutzt werden.

Leistungen können in der richtigen Granularität eindeutig beschrieben werden.

Die Erstellung von rechtssicheren Werkverträgen wird begünstigt. 

Ausschreibungen sind objektiv, valide und verlässlich.

Abgerechnete Projekte können einfacher in die Kostenplanung übernommen werden.

Der eindeutige Standard ermöglicht Kollaboration.

Leistungsverzeichnisse können dank den informierten Modellen effizienter erstellt werden.

Da es keine Medienbrüche gibt, ist der frühe Einbezug aller Beteiligten möglich.