Standardpositionen liefern das Rezept

Normpositionen-Katalog NPK 

Mit dem komplett überarbeiteten NPK 612 können Metallbauarbeiten wieder technisch korrekt und den aktuellen Normen entsprechend beschrieben werden. Der Unternehmer Tobias Willi hat als Vertreter des Verbands AM Suisse in der Begleitgruppe mitgearbeitet. 

Warum war es notwendig, dieses NPK-Kapitel zu überarbeiten?
Das Kapitel entsprach nicht mehr dem heutigen Stand der Technik und den aktuell gültigen Normen. So wurden seit der letzten Überarbeitung die Norm SIA 240 «Metallbauarbeiten» und die dazugehörige Vertragsnorm revidiert. Auch die SIA-Normen 358 «Geländer und Brüstungen» und 414 «Masstoleranzen im Bauwesen» sind in der Zwischenzeit aktualisiert worden. Weiter sind neue Normen dazugekommen, zum Beispiel die EN 1090, die sich mit der Bemessung und Herstellung von tragenden Bauteilen und Tragwerken aus Stahl und Aluminium befasst.

Was hat sich gegenüber der Vorgängerversion verändert?
Der Inhalt wurde aktualisiert, gestrafft und – wo es möglich war – vereinfacht. Eine wichtige strukturelle Änderung ist, dass im neuen NPK 612 «Allgemeine Metallbauarbeiten» Standardbeschreibungen als Leitlinien oder als Rezept dienen. Konstruktionsarten oder Bauteile, die nicht so häufig verwendet werden, können mit den offenen Positionen beschrieben werden. Weiter werden Treppen oder Geländer neu nicht mehr als Einzelkomponenten beschrieben, sondern als Ganzes. 

Was ist für Sie die wichtigste Neuerung?
Sicher der Abschnitt 500 «Geländer», er wurde an die aktuellen Vorschriften angepasst. Viele der im alten Kapitel beschriebenen Geländertypen waren unterdimensioniert und entsprachen nicht mehr den Anforderungen der Norm SIA 358. Zudem haben wir Bauteile entfernt, die heute nicht mehr oder nur noch selten verbaut werden, weil sich die technischen Möglichkeiten oder der Baustil verändert haben. Wenn sie dennoch beschrieben werden sollen, können dafür die offenen Positionen benutzt werden. 

Warum sind Geländer so wichtig?
Zum einen kommen sie oft vor – fast jedes Objekt hat ein Geländer –, zum anderen handelt es sich hier um ein sicherheitsrelevantes Bauteil. 

Was lag Ihnen als Vertreter von AM Suisse besonders am Herzen?
In diesem Zusammenhang war für mich die Statik am wichtigsten. Es muss möglich sein, mit dem in den Normpositionen Beschriebenen eine «richtige» Ausschreibung zu machen, sodass der Kalkulator auf dieser Grundlage eine korrekte Kalkulation erstellen kann. Mit «richtig» meine ich technisch korrekt und normkonform. Der Inhalt der geschlossenen Positionen wurde statisch berechnet.

Auf welche Herausforderungen sind Sie bei der Überarbeitung gestossen?
Die grösste Herausforderung bestand sicher darin, diese geschlossenen Positionen zu formulieren. Für die Standardisierung sind diese ja notwendig, zugleich ist der Metallbau aber sehr vielseitig, und die Möglichkeiten sind riesig. Und dann kommen noch die gestalterischen Wünsche der Architekten dazu. Dies alles unter einen Hut zu bekommen, war nicht einfach. Wie bereits erwähnt haben wir versucht, das Wichtigste in den Standardbeschreibungen abzubilden und für die Beschreibung der weiteren Möglichkeiten dann offene Positionen zur Verfügung zu stellen. 

Wie war die Resonanz in der Vernehmlassung?
Es gab einige Rückmeldungen von Schulen, Metallbauern und Architekten. Die Ergänzungen und Inputs haben die Begleitgruppe angeregt, verschiedene Texte nochmals zu überdenken. 

Was sollte der Anwender des neuen Kapitels beachten?
Ich möchte die Anwender dazu aufrufen, wenn möglich die geschlossenen Positionen zu nutzen. Bei der Verwendung des alten Kapitels wurden sehr viele R-Positionen erstellt, darauf sollte man möglichst verzichten. 

Sie haben erstmals in einer NPK-Begleitgruppe mitgearbeitet. Würden Sie es wieder tun? 
Da der NPK meiner Branche dient – wir sind auf Ausschreibungen angewiesen, die eine korrekte Kalkulation zulassen –, würde ich auf jeden Fall wieder mitarbeiten. Als Mitglied der Begleitgruppe stehe ich für die Anpassungen auch ein und versuche, sie so gut wie möglich auf dem Markt durchzusetzen. Es ist Aufgabe eines Verbands, seine Mitglieder zu unterstützen, sich dafür einzusetzen, dass der aktuelle Stand der Technik umgesetzt wird – und das beginnt bei der Ausschreibung. Wenn sie gut ist, gibt es später keine Streitereien. 

Was nehmen Sie mit?
Durch den Austausch mit den anderen Begleitgruppenmitgliedern lernt man die Sichtweise der anderen, z.B. der Architekten oder Bauführer, besser kennen und versteht so auch ihre Wünsche und Vorstellungen besser. Das hilft mir auch in meinem Berufsalltag. 

AM Suisse (vormals Schweizerische Metall-Union) ist der Dachverband für die Fachverbände Agrotec Suisse und Metaltec Suisse und vertritt die Arbeitgeber- und Bildungsinteressen der Branchen Metallbau, Landtechnik und Hufschmiede. Mit engagierten Mitarbeitenden leistet AM Suisse professionelle Netzwerkarbeit für alle gemeinsamen Verbandsaufgaben.