CRB-Beteiligung in internationalen Normengremien

Normen und Standards halten gesichertes Wissen fest, tragen zur Sicherheit von Bauten und Anlagen bei und dienen als Verständigungs- und Rechtsgrundlage. Um im Zusammenhang mit BIM auf technischer Ebene eine gemeinsame grenzüberschreitende Verständigung zu erreichen, arbeiten auch Schweizer Fachleute in europäischen Gremien mit. 

Text: Gaby Jefferies

Seit seiner Gründung 1961 setzt sich das Comité Européen de Normalisation CEN mit Sitz in Brüssel dafür ein, das europäische Normungssystem voranzutreiben: «Wir sind führender Anbieter von freiwilligen europäischen Standards und verwandten Produkten und Dienstleistungen zum Nutzen von Unternehmen, Verbrauchern und anderen Standardnutzern in Europa.» (cencenelec.eu) Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, hohe Qualitätsstandards für Produkte und Dienstleistungen zu erstellen, die Anforderungen an Qualität, Sicherheit, Umwelt, Interoperabilität und Zugänglichkeit enthalten. Damit sollen die Wettbewerbsfähigkeit Europas unterstützt sowie der Schutz der Umwelt und nachhaltiges Wachstum zum Wohl der Bürger erreicht werden. 

In der Schweiz ist der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein SIA Träger der Normen im Fachbereich Bauwesen. Er arbeitet eng mit der Schweizerischen Normen-Vereinigung SNV zusammen. Sie ist als Dachorganisation für die Normung in der Schweiz zuständig und Vollmitglied des CEN.

CEN/ TC 442
Um auch im Bereich BIM eine gemeinsame Verständigung auf technischer Ebene zu erreichen, hat das CEN das Technische Komitee 442 «Building Information Modelling» ins Leben gerufen. Aktuell arbeiten sieben Arbeitsgruppen an der «Standardisierung im Bereich strukturierter semantischer Lebenszyklusinformationen für die gebaute Umgebung». CRB-Mitarbeiter sind an dieser Normierung seit 2018 aktiv beteiligt.

Working Group 4: Support Data Dictionaries
In Working Group 4 beschäftigen sich Experten aus Frankreich, Norwegen, Deutschland, Italien, Österreich, den Niederlanden und Dänemark mit der generischen Produktdatenvorlage. Ein Product Data Template PDT ist eine elementbasierte digitale Struktur, die Eigenschaften und Eigenschaftsgruppen von Bauprodukten sammelt. Die Arbeitsgruppe standardisiert die Struktur und die Semantik (den Inhalt) des Datenmodells, das für den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks (auch ALIM – Asset Lifecycle Information Management – genannt) und zum Transport eines PDT verwendet wird. Damit die Produktdatenvorlagen in der Schweiz angewendet werden können, müssen Struktur und Inhalt standardisiert werden. «Darum wird die inhaltliche Erarbeitung durch CRB sehr geschätzt. CRB baut die PDT auf der Grundlage der Baukostenpläne eBKP auf und ergänzt sie mit standardisierten Ausschreibungseigenschaften aus dem Normpositionen-Katalog NPK sowie mit Eigenschaften, die von Partnerorganisationen (eco-bau, mtextur und weiteren) zur Verfügung gestellt werden.»
Davis Kantor, Projektleiter Entwicklung & Technologie, CRB

Working Group 6: Infrastructure
In dieser Arbeitsgruppe wird in der ersten Phase ein technischer Bericht erarbeitet. Darin sollen die Unterschiede zwischen Infrastruktur- und anderen Bauprojekten im Hinblick auf das Informationsmanagement auf verständliche Weise aufgezeigt werden. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede festzuhalten. Dies soll dann die Grundlage darstellen für eine weitere Untersuchung von bereits vorhandenen Normen und Standards im Bereich der Informationsanforderungen für Infrastrukturbauprojekte. Daraus soll die Vorgehensweise bei einer Feldstudie innerhalb der europäischen Baubranche entwickelt werden. Im Zusammenhang mit der Einführung von BIM wird die Antwort auf die Frage gesucht, ob die bereits vorhandenen Normen und Standards, wie z.B. die ISO-19 650-Reihe, anwendbar sind. Eine zusätzliche Aufgabe ist es, Empfehlungen zu formulieren, inwieweit diese Standards angepasst oder neue entwickelt werden müssen. An dieser Arbeit sind Experten aus dem Bereich Infrastrukturbau aus ganz Europa beteiligt. Sie repräsentieren in der Rolle als öffentliche Bauherren, Planer, Unternehmer und Betreiber nationale Normierungs- und Standardisierungsorganisationen, oder sie vertreten den InfraRoom von buildingSMART International. Innerhalb der Arbeitsgruppe werden die verschiedenen Themen in Teams erarbeitet und anschliessend in Web-Meetings oder an den vierteljährlich stattfindenden Treffen diskutiert und verabschiedet.

«Aktuell holt CRB die Interessen der Schweizer Experten ab und bringt sie in die Working Group 6 ein. Auf der einen Seite kann die Schweiz im Zusammenhang mit der Einführung von BIM vom Fachwissen der anderen Nationen profitieren, z.B. vom Wasserbau in den Niederlanden oder von neuen Projektabwicklungsmethoden (Integrated Project Delivery) aus Norwegen. Auf der anderen Seite kann die Schweiz ihre etablierten Normen und Standards, wie z.B. den Baukostenplan Tiefbau eBKP-T, in die europäische Normierung einbringen und mit dem aktuellen Stand der beteiligten europäischen Länder vergleichen». 
Marcel Chour, Projektleiter Entwicklung & Technologie, CRB