Herbst.Venue'18

Zu Besuch auf der prominentesten Baustelle in Zürich.

(seulement en allemand)

Über 100 Architektinnen und Architekten sind der Einladung von CRB gefolgt und nahmen Anfang Oktober am CRB Herbst.Venue‘18 teil. Die bereits zum zweiten Mal durchgeführte Veranstaltung richtet sich jeweils an eine ausgewählte Mitgliedergruppe und stellt ein aktuelles Bauprojekt vor.

Image Herbst.Venue'18

Dieses Jahr präsentierte die Architektin Elisabeth Boesch die Herangehensweisen beim anspruchsvollen Umbau der Tonhalle und des Kongresshauses in Zürich. Michel Bohren, Direktor CRB, schaute in die Zukunft und erläuterte, wie CRB die Weiterentwicklung seiner Produkte und den Datenaustausch auch mit internationalen BIM-Standards sicherstellen wird. Im Gespräch beim anschliessenden Apéro stellte sich heraus, dass bei der Restaurierung die Farbbestimmungen jeweils eine besondere Herausforderung darstellen. Hier kann das NCS-Farbsystem mit dem digitalen Farblesegerät NCS Colourpin als nützliche Arbeitshilfe dienen: über die Mobile-App wird der nächstliegende NCS-Farbton angezeigt.

Die Tonhalle aus dem Jahr 1895
Die 1895 eröffnete Tonhalle stammt vom Wiener Architekturbüro Fellner & Helmer, das auf Theaterbauten spezialisiert war. Sie wurde in nur zweieinhalb Jahren errichtet, wie auch das zuvor von denselben Architekten geplante Zürcher Opernhaus. Diese erstaunlich kurze Bauzeit war nur möglich dank bestens ausgewiesenen Ingenieuren und modernsten Technologien. So wurde damals bereits mit vorgefertigten Elementen gearbeitet, zum Beispiel bei Stuckelementen an Decken, Wänden und Brüstungen.

Das Kongresshaus aus dem Jahr 1939
Anfang des 20. Jahrhunderts entstand das Bedürfnis nach einem Kongresshaus, dessen Pläne sich im Hinblick auf die Landesausstellung konkretisierten. Das realisierte Projekt der Architekten Haefeli Moser Steiger überlagerte die Tonhallensäle und das Vestibül mit einer neuen Struktur und betrachtete die Altbauelemente als feste Bestandteile des Neubaus. Die übrige Bausubstanz der als «Trocadero» bekannten Tonhalle wurde abgerissen. Das Projekt gilt als beispielhafte zeitgemässe Architektur und als schützenswerter Beitrag der Moderne.
In den 1980er-Jahren wurden mehrere Um- und Ausbauten vorgenommen. Um die Jahrtausendwende prüfte die Stadt Zürich die Machbarkeit eines neuen Kongresszentrums. Weder alternative Standorte noch ein Architekturwettbewerb mit prominenter Beteiligung führten zu einer Lösung oder wurden von den Stimmbürgern goutiert. Das aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Neubauprojekt des spanischen Architekten Rafael Moneo scheiterte an einer Volksabstimmung. Schliesslich entschied sich der Stadtrat 2013 für die Instandsetzung des bestehenden Kongresshauses anstelle eines Neubaus. Das Umbau- und Instandsetzungskonzept der ARGE Boesch Diener wurde 2016 vom Volk angenommen und wird jetzt umgesetzt.

Umbau- und Instandsetzungsprojekt 2011 bis 2020
Die Gesamtrenovation beinhaltet Umbaumassnahmen, die das Kongresshaus zugänglicher, übersichtlicher und flexibler nutzbar machen. Die einzigartige Lage mit Blick auf See und Berge soll wieder zur Geltung kommen. Aus diesem Grund wurde der in den 1980er-Jahren hinzugefügte und nicht denkmalgeschützte Panoramasaal rückgebaut. Im Gegenzug entsteht ein neuer flexibler Gartensaaltrakt mit Terrasse und Aussichtsrestaurant. Das Ganze ist so angelegt, dass der Kongresssaal und das Konzertfoyer die ursprüngliche Seesicht zurückerhalten.

Vielschichtige Herausforderungen
Die ausserordentliche Komplexität des Vorhabens lässt sich erahnen, wenn man weiss, dass das Projekt über 600 unterschiedliche Räume umfasst. Hilfreich sind die weit über 2000 Originalpläne aus den verschiedenen Archiven (gta-Archiv, Maillart-Archiv, Kongresshausstiftung etc.), die allesamt eingescannt wurden und dem Planerteam zur Verfügung stehen. Eine besondere Herausforderung besteht ausserdem darin, dass neben den «normalen» Neu- und Umbauarbeiten für die Restaurierung vielschichtige denkmalpflegerische Fragen zu klären sind. Es gilt, filigrane Elemente, Strukturen, Malereien und Oberflächen – darunter neben dem Tonhallesaal von 1895 insbesondere die Sgraffito-Flächen des Foyertrakts aus dem Jahr 1939 – wieder aufleben zu lassen.

Die Baugrubensicherung war anspruchsvoll, und Pfahlarbeiten waren notwendig, denn der gesamte Komplex steht im Gebiet der 1887 entstandenen Seeaufschüttung, mit der seinerzeit 216'256 m2 zusätzliche Landfläche geschaffen wurden. Im Zusammenhang mit der Statik ist auch Erdbebensicherheit ein Thema.

CRB-Standards im Einsatz

Nicht minder anspruchsvoll ist natürlich die Kostenplanung und -kontrolle bei einem Projekt mit einem Kredit von 165 Mio. Franken. Um diesbezüglich jederzeit den Überblick zu behalten, kommen die beiden Baukostenpläne von CRB zum Einsatz: der elementbasierte Baukostenplan Hochbau eBKP-H sowie der ausführungsorientierte BKP. Mit dem Normpositionen-Katalog NPK wurden über 50 verschiedene Ausschreibungen durchgeführt.

Zürich darf sich auf ein subtil erneuertes und ergänztes Kongresshaus freuen, das verschiedene Zeitepochen sprechen lässt. Die Eröffnung ist für 2020 geplant.